franz2.gif (13907 Byte)

 

Zeltinger Stephansberg und die Winzersfrau

stefzelt.jpg (13216 Byte)
Eingang Stephansberg 1998

Jedermann im Mosellande kennt den Zeltinger Kirchturm, der hell und hoch aus dem Wingert wächst. Rundum reifen Jahr um Jahr edelste Kredenzen, und einer Lage haben die dankbaren Zeltinger Winzer ihrem Kirchenpatron zu Ehren den Namen »Stephanslay« gegeben.

Der Kirchturm trägt hoch oben vier S-förmige Mauereisen, und darüber befinden sich an den vier Seiten der Glockenstube vier Schallöcher in der gleichen Form. Diese acht S-Buchstaben an ihrem Stephansturm deuten die Zeltinger in ihrer derb-frommen Art auf echt moselländische Weise. Feiern sie ein kleines Fest, wird die kleine Auslegung angewandt:

»Sankt Stephan sät, sauft!« Und dann trinken sie auch nur Weine aus ihren S-Lagen: Stephansberg, Steinmauer, Sonnenuhr und Schloßberg.

Wenn sie jedoch ein Hochfest feiern, trinken sie den ganzen Spruch durch: "Sankt Stephan sät, se sollen sich saat saufe!«

Dann müssen ihre acht Weinlagen herhalten; beim "Kirchenpfad" moselabwärts fangen sie an, steigen über die "Stephanslay" und den "Engelsberg" auf die "Steinmauer", von da aus ins "Himmelreich" und sind dann just überm Dorf; sie verweilen jetzt lange dem "Schloßberg", werfen ab und zu einen Blick auf die "Sonnenuhr", und dann beschert ihnen die "Rotlay" die allerfeinste Weinröte ins Gesicht, daß ihre Wangen glühen wie rotsamtene Pfirsiche.

Nun war einmal eine fromme Winzerin in Zeltingen, die der Meinung war, ihr Mann huldige dem Spruch des Kirchturms allzu oft. Nicht selten kam er mitten in der Woche mit einem Räuschlein aus dem Keller oder vom Kegelabend. Als alles Zureden nichts half, nahm sie ihre Zuflucht beim heiligen Kirchenpatron. Eines Nachmittags, auf dem Weg in den Wingert, stellte sie ihren Karst an das Kirchenportal, hing den Bindebast daran und ging in die Kirche. Da sie leer war, schritt sie forsch bis vor den Hochaltar, auf dem Sankt Stephanus groß und mächtig in Stein gehauen zu sehen ist, wie er gesteinigt wird. Herzhaft und laut sprach sie ihr Stoßgebetlein: "Heiliger Sankt Stephan, nu hilf doch, dat meine Mann net mehr so viel trinkt!"

Das hörte aber der Küster, der hinter dem breiten Altar versteckt putzte und bürstete; und weil er ein Schelm war, wie jedermann den langen Koppelkamms Batti kannte, war plötzlich seine helle Stimme zu hören, die wie aus dem Jenseits Antwort gab: "Dat bis du selwer schuld, ärger' ihn net so viel !"

Die gute Winzerin erschrak und zuckte zunächst zusammen. Dann aber antwortete sie, noch ein wenig verlegen: "Ach, ihr Mannsleut halt' och im mer zesa mmen ! "

Sie schritt zurück, und wie sie an der Kirchentür war, da hatte sie sich wieder gefunden, da war sie wieder ganz sie selber. Sie wandte sich um, hob ihren Finger drohend zum heiligen Stephanus und rief, daß es durchs ganze Kirchenschiff hallte: "Un nau weiß ich och, wofir se dich gesteinigt haon!"

Quelle: Jahrbuch Kreis Bernkastel Wittlich 1977 Peter Kremer

     homeneu.jpg (2271 Byte)inneu.gif (429 Byte)

Nachrichten an Franz - Peter Kropp