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Lustige Geschichten zum Wein |
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Piesporter Goldtröpfchen
Ein Freund des "Piesporter Goldtröpfchen"las eines Tages die Anpreisung eines unfehlbar wirkenden Mittels gegen die in Weinlandschaften nicht seltene rote Trinkernase. Da auch sein Riechorgan mehr und mehr Ähnlichkeit mit einem ausgeblühten Klatschmohn bekam, schickte er heimlich die verlangten drei Mark für das Heilmittel ein, worauf nach wenigen Tagen eine dünne Drucksache bei ihm eintraf, worauf geschrieben stand: "Sauf, bis sie blau ist!"
Kinheimer Eulenlay
Da hatte ein Gastwirt den Antrag gestellt, in den Sommermonaten die Polizeistunde von Mitternacht auf 2 Uhr früh zu verschieben. Die Gäste wünschten das, und er sei auch damit einverstanden.
Lange besprach der Gemeinderat die Angelegenheit, es gab Stimmen dafür und dawider. Die Köpfe hatten sich schon heiß geredet, und noch immer war man zu keinem Beschluß gekommen. Kurz vor Mitternacht ließ der Ortsbürgermeister endlich abstimmen, und siehe da: es gab Stimmengleichheit für die Bejahung des Antrags und für seine Ablehnung.
Da entschied der Ortsvorsteher die Streitfrage mit dem salomonischen Spruch: "Es bleibt bei der bisherigen Polizeistunde! Bei uns im Dorf hat jedermann Geiegenheit, bis 12 Uhr nachts genügend voll zu sein."
Erdener Treppchen
Welches ist das älteste Dorf der Welt! "lm Anfang schuf Gott Himmel und Erden" Darum gehören Erdener Weine zu den feinsten Edelweinen. Ist es daher verwunderlich, daß der Dusemonds Stephan auf dem Sterbebett noch eine Flasche "Erdener Treppchen" trinken wollte zum Abschied von dieser schönen Welt! Seine Frau Kathrin brachte sie ihm auch, obgleich sie dorfbekannt geizig war, und als Stephan sie ausgetrunken hatte, bekam er auch noch eine zweite Flasche, die auch in kurzer Zeit leer war. Wie er aber nun noch um eine dritte Flasche bat, war die Geduld der Kathrin zu Ende. Sie stellte sich mit eingestemmten Ellbogen breit vor den Sterbenden hin und sagte bündig: "Nau ist awer Schluß! Wird hei gesoffen oder gestorwen!" - Worauf der Stephan es vorzog, von seiner Kathrin weg ins enge Kämmerchen hinter der Kirche zu ziehen.
Bernkasteler Badstube
Als der selige Peter Dahm, der Gründer und Besitzer der weitbekannten und vielgelobten Bernkasteler Weinstube "Zur Post", noch lebte, erschien bei ihm zweimal in jeder Woche ein ebenso berühmter und bekannter Weingutsbesitzer aus einem benachbarten Moselort und aß und trank, was Küche und Keller bieten konnten. Pünktlich um Mitternacht ratterte dann jedesmal der' Kutscher des "Weinkönigs" mit seiner Chaise vor der "Post" an, um seinen Herrn zweispännig nach Hause zu fahren.
Nun geschah es aber einmal, daß der stets willkommene Gast schon am frühen Abend so voll des guten Weines war, daß er den übrigen Gästen auffiel und keine Zier der vornehmen Weinstube darstellte. Der zu reichlich genossene Wein kam wieder, und um dem armen Unmäßigen und sich selbst zu helfen, ließ der Wirt schnell einen einheimischen Kutschwagen vorfahren, damit darin der "Weinkönig" eilig in sein Bett gebracht werden konnte.
"Paß auf, daß er dir die Chaise nicht beschmutzt", sagte der Postwirt zu dem Kutscher, nachdem sie beide den Trunkenen, der von schwerer Körperfülle war, glücklich im Wageninnern sitzen hatten. Am anderen Tag kam der Kutscher in die "Post", um von der Fahrt zu berichten.
"Ist alles gut gegangen?" fragte der besorgte Peter Dahm. "Hat er dir auch den Wagen nicht beschmutzt!" "Nä", sagte der Kutscher, "ich hatte vorgesorgt und ihm den Hafersack vorgebunden."
Dhroner Sängerei
Im weinreichen Winzerdorf Dhron nahm der Schullehrer die Bruchrechnung durch. Eines Tages kam der kleine Karl mit folgender Hausaufgabe heim: "Wieviel Flaschen zu 3/4 Liter lassen sich mit 12 Liter Wein füllen!" Am nächsten Morgen hatte er die Aufgabe richtig gelöst, aber er gab dem Lehrer zur richtigen Antwort auch noch ein Brieflein seines Vaters ab, worin jener las:
"Lieber Herr Lehrer! Das war eine schöne Aufgabe; die ganze Familie hat mitgerechnet, doch stellen Sie bitte das nächste Mal solche Aufgaben mit Wasser. Das Ausrechnen mit Wein kommt uns zu teuer!"
Quelle: Jahrbuch Kreis Bernkastel Wittlich 1977 Peter Kremer