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Stadtteil Wehlen |
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| Wehlen mit seiner alten Kirche |
Auskunft über den gemeinsam mit Andel am 7. November 1970 eingemeindeten Ort Wehlen erhält man vor allem im 1989 von Hans-Ulrich Praus veröffentlichten Bildband ,,Wehlen/Mosel - Blick in die Vergangenheit"; eine ausführlichere Chronik wird derzeit vorbereitet. Aber auch die ,,Festschrift zur Brückenweihe in Wehlen vom 17. - 19.9.1949" vermittelt wichtige Eindrücke der interessanten Ortsgeschichte.
Die ältesten urkundlichen Erwähnungen Wehlens liegen viel weiter zurück als die der übrigen Stadtteile. ,,Wanolon" beziehungsweise ,;Wenelon" an der Mosel wird bereits in Urkunden der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts (867/874) genannt! Seit jener Zeit spätestens war auch der Weinbau für den Ort von Bedeutung. Heute ist der Name ,,Wehlener Sonnenuhr" ein Inbegriff einer besonderen, weltbekannten Weinlage.
Wehlen gehörte lange zum kurtrierischen Amt Wittlich, im 19. und 20. Jahrhundert zunächst zur Bürgermeisterei Lieser, später ,,Amtsverwaltung Lieser in Bernkastel-Kues" und dann ,Verbandsgemeindeverwaltung Lieser': ebenfalls mit Sitz in Bernkastel-Kues.
Zu Wehlen gehörte der 1627 durch den ,,schwarzen Tod" (die Pest) vernichtete Ort Inkart, an den an der heutigen Wehlener Ortsgrenze noch ein Brunnen, eine Kapelle und ein Flurname erinnern.
Bis zur Säkularisation gehörte das über 750 Jahre alte ehemalige Zisterzienserinnenkloster Machern ebenfalls zu Wehlen. Seit einigen Jahren werden in dem restaurierten Gebäude besondere Konzerte aufgeführt.
Auch zum St.Nikolaus-Hospital gab es frühzeitig Kontakte; einer der bekannteren Rektoren des Stiftes war von 1598 - 1618 Nikolaus Deunsch. Die Deunschstraße in Wehlen sowie ein Epitaph in der Hospitalskapelle erinnern heute noch an diesen ehemaligen Wehlener Bürger.
Am Moselufer und an der Hauptstraße befinden sich einige eindrucksvolle, ältere Gebäude. Neben einzelnen Fachwerkhäusern mui3 besonders das ehemalige kurtrierische Zehnthaus erwähnt werden. Auch die ältere Wehlener Kirche von 1669 ist bis heute ein sehenswertes Bauwerk geblieben. Die der bereits im 16. Jahrhundert genannten Pfarrpatronin St. Agatha geweihte neue Kirche wurde in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut und am 15. Mai 1870 konsekriert .
Der Eulenbrunnen macht auf einen ,Kosenamen" aufmerksam: in den Nachbarorten spricht man gerne von den ,Wehlener Eulen':
Der Brunnen zeigt außer zwei großen Eulen auch das Wehlener Wappen mit einer dem ehemaligen Schöffensiegel entnommenen Rose sowie einer Traube und einem Apfel. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weinanbaus für Wehlen ist bekannt. Bis vor wenigen Jahrzehnten war aber auch der Obstanbau gerade in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts für Wehlen sehr wichtig.
Recht ungewöhnlich ist die Geschichte der Wehlener Brücke(n).
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| Wehlen mit Hängebrücke |
Dreimal innerhalb von 34 Jahren wurde in Wehlen ein Brückenneubau für den Verkehr freigegeben. Dreimal also wurde in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts in Wehlen eine Brücke gebaut, jedesmal in wirtschaftlich problematischer Zeit.
Die erste Brücke konnte ab September 1915 benutzt werden. Doch sie wurde schon am 15. Januar 1920 durch Hochwasser vernichtet. Für das Winzerdorf Wehlen war eine Brücke inzwischen aber notwendig geworden, da die Weinbergsfläche überwiegend am anderen Flußufer lag - und auch heute noch liegt.
Nach den Jahren der Inflation und der Not der Winzer an der Mosel vor allem Mitte der zwanziger Jahre - in Bernkastel war während der Zuspitzung der Lage am 25.2.1926 sogar das Finanzamt gestürmt worden - wurde noch im Krisenjahr 1926 die zweite Wehlener Brücke eröffnet. Die Brücke wurde aber wie die übrigen an der Mosel zwischen Trier und Koblenz im Frühjahr 1945 - in der Nacht vom 12. auf den 13. März - von deutschen Truppen, die sich auf dem Rückzug vor US-Militäreinheiten befanden, gesprengt.
Nun benötigte man wieder Fähren. Jahrhundertelang war man an der Mosel vor allem auf Fähren angewiesen. Aber die wirtschaftlichen Veränderungen seit mehr als hundert Jahren, vor allem in der Nachkriegszeit, brachten neue Erfordernisse. Die Zunahme der Motorisierung sowie des Fremdenverkehrs, aber auch die neueren Arbeitsmittel der Winzer machten eine Vielzahl von Brückenbauten notwendig. Die Fähren konnten den stark gewachsenen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Außerdem waren sie witterungsbedingt nur eingeschränkt einsetzbar; man denke dabei an Niedrigwasser, vor allem vor dem Ausbau der Mosel, aber auch an Hochwasser, Frost und Eisgang.
Durch die wieder fehlende Brücke kam es 1945/46 zu ganz starken Ernteverlusten in Wehlen. Trotz der bitteren Erfahrungen mit festen Moselbrücken strebte man also erneut den Bau einer Brücke an.
Obwohl es in der frühen Nachkriegszeit größte Schwierigkeiten mit der Finanzierung wie mit der Beschaffung von Baumaterialien gab, ist die dritte Wehlener Brücke mit besonders viel Aufwand der Bürger des damals noch selbständigen Winzerdorfes errichtet worden. Schliei3lich konnten die Wehlener mit der einzigen Hängebrücke an der Mosel sogar ganz besonders stolz auf dieses ungewöhnliche Bauwerk sein.
Auf einem Spaziergang zum Plateau und von dort zur ,,Wehlener Dreifaltigkeit" lernt man eine abwechslungsreiche Landschaft mit Blick auf das Flußtal, in die Weinberge und auf die bewaldeten Höhen kennen. Auffallend gewachsene, unter Naturschutz stehende Bäume und das die Dreifaltigkeit symbolisierende Wegemal sind ebenfalls Zeugen der örtlichen Kultur.
Eine solche natürliche und kulturgeschichtliche Vielfalt ist in allen Stadtteilen anzutreffen und somit der ganzen Stadt Bernkastel-Kues eigen.
Quelle: Bernkastel-Kues in Geschichte und Gegenwart