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Heldenhafte Verteidigung von Stadt und Schloß Bernkastel 1673

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Alte Ansicht von Bernkastel

Über dieses in die Geschichte der Stadt Bernkastel eingegangene Ereignis berichtet Nikolaus Thiel:

,, Bei den Streifzügen in der Umgebung Triers stießen die wilden Mordbrenner auch hier und da auf unangenehmen Widerstand. Nach den Aufzeichnungen Henns hat sich aber kein Ort so heldenhaft gewehrt wie Stadt und Schloß Bernkastel.

Die sporadisch in der Schrift vorfindlichen Taten der Bernkasteler werden mit denen des übrigen Kreisgebiets hier zusammengefaßt:

3. Oktober 1673: Da die Bevölkerung von Bernkastel und Zell um dieselbe Zeit sich weigerte, den Franzosen Fourage und Proviant nach Trier herbeizufahren, ließ man eine Abteilung Kavallerie aus der Stadt Trier ausrücken, um die Widerspenstigen mit Feuer und Schwert dazu zu zwingen. In Bernkastel, woselbst der Oberst Curtius befehligte, derselbe, welcher während der Belagerung die Hilfstruppen nach Trier geführt, wurden verschiedene Verschanzungen angelegt.

15. Oktober: Eine aus Kavallerie und Infanterie bestehende Abteilung von 500 Mann marschiert gegen die Bernkasteler, die jedoch bei ihrer ziemlich starken Besatzung und unter dem Schutze der von Koblenz herbeigeschafften Geschütze den Angriff der Franzosen zurückschlugen.

12. November: Eine an 250 Mann starke Abteilung Infanterie und Kavallerie unternimmt von Trier aus einen Streifzug in das Amt Baldenau und Neumagen, äschert einige Häuser ein, brandschatzt allenthalben die armen Bauern, raubt Heu und Hafer aus den umliegenden Dörfern in solcher Menge zusammen, daß drei große, von Trier nach Neumagen entsandte Schiffe damit beladen wurden. Während diese die Fahrt nach Trier hinauf antreten, kehren die Franzosen auf demselben Wege, den sie gekommen, dorthin zurück. Auf dem Mehringer Berg stoßen sie auf einige unvorsichtige Leute der Bernkasteler Besatzung, umzingeln sie, töten vier von ihnen und führen vier andere, denen sie die Kleider ausgezogen, durch den Schnee als Gefangene mit sich fort; dreien gelang es ,zu entkommen.

21. November: Eine Abteilung von 5000 Mann, meistens Infanterie von dem bei Kreuznach stehenden Heere Turennes, vereinigt sich mit den Mannschaften St. Clauds, um Bernkastel mit Gewalt zu nehmen. Ein früherer Versuch der Franzosen, durch List und Verrat in dessen Besitz zu gelangen, war daran gescheitert, daß der Verrat noch rechtzeitig entdeckt und der Verräter in Koblenz aufgehenkt worden war. Allein, auch dieser Versuch wurde durch die Ungunst der Witterung und der Bodenverhältnisse vereitelt. Viele Franzosen, die schlecht bekleidet waren, kamen um vor Kälte, und da die steil abstürzenden, Bernkastel umsäumenden Berge der Kavallerie den Zugang verwehrten und eine wenig geeignete Stellung für die Geschütze boten, war die Infanterie dem ungestümen Angriff der kaiserlichen Besatzung preisgegeben.

Während die Franzosen von einer aufgeworfenen Schanze die Mauern aus zwei Kanonen beschossen, machte der Führer der Kaiserlichen und Stadtkommandant Curtius mit 500 Mann einen Ausfall, drang unbemerkt durch die Schluchten bis zu den Belagerern vor und überschüttete sie mit einem solchen Hagel von Kugeln, daß die Franzosen mit einem Verlust von einigen hundert Leuten sich gezwungen sahen, ihre Geschütze im Stich zu lassen und sich auf ihre Kavallerie, die ihnen auf dem steilen Terrain keine Unterstützung bringen konnte, zurückzuziehen, während die Sieger ihrerseits keine Verluste erlitten, da die aus der Höhe abgeschlossenen Kanonenkugeln über ihre Köpfe dahinflogen.

Da die Franzosen einsehen mußten, daß das winzige Städtchen mit vielem und dem besten Blute erkauft werden müßte, hielten sie es für geraten, das Unternehmen aufzugeben und traten nach Verbrennung ihrer Zelte und unter Zurücklassung eines ansehnlichen Teils der Bagage in der Nacht des 24. November in aller Stille den Rückzug an, um so mehr, da sie durch einen Verräter aus Zeltingen namens Craus die Kunde erhalten hatten, daß ein Regiment Kaiserlicher unter dem Oberst von Reiffenberg heranziehe, um Trier Hilfe zu bringen; andernfalls würden sie noch schlimmere Verluste erlitten haben, wenn es auch schlimmer als jeder andere Verlust zu betrachten ist, daß der Kern des französischen Heeres von dem kleinen Städtchen so ruhmlos und unverrichteter Dinge abziehen mußte.

Und daß die Franzosen diese Schmach nicht gering empfanden, ging daraus hervor, daß die am 25. November zurückgekehrte Soldateska unvermutet über die Maximiner Dörfer herfiel, Schafe, Rindvieh, fast den gesamten Hausrat raubte und kaum einer der Bewohner den Krallen der Geier entrann. Volle acht Tage dauerte das Plündern der unersättlichen Räuber, den Bauern wurden ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter, trotz der bitteren Kälte, selbst die notwendigster Kleidungsstücke weggenommen.

8. Dezember: Der Gouverneur selbst brach mit 500 Kavalleristen und 600 Infanteristen unter anderem gegen Bernkastel auf, kehrte aber, ohne sich mit Ruhm bedeckt und etwas besonderes erreicht zu haben, zurück, nachdem er in dem unweit Bernkastel gelegenen verlassenen Schloß Hunolstein einige Soldaten zurückgelassen hatte, um dasselbe auf alle Fälle zu decken.

21. Januar 1674: Der General Colbert rückt in der Frühe mit einer starken Abteilung Infanterie und Kavallerie aus der Stadt Trier, um, wie sich später ergab, der bedrängten französischen Besatzung in Neumagen zu Hilfe zu kommen. Die Kaiserlichen hatten nämlich die Burg angegriffen und würden sie, alle Franzosen niedermachend, ohne Zweifel genommen haben, wären sie nicht von einem schuftigen Juden verraten worden. Doch die Kaiserlichen zogen sich nicht zurück, ohne einige Franzosen erschlagen und die dem Grafen, der die Franzosen herbeigerufen hatte, zugehörigen Scheunen und Ställe in Brand gesteckt zu haben. Hierauf suchten sie ihren Zorn an dem Grafen selbst auszulassen, doch gelang es demselben, in der Dunkelheit der Nacht nach Trier zu entkommen, wohin am folgenden Tage auch seine Gattin unter französischem Schutze gebracht werden sollte. (Die Herrschaft Neumagen war damals im Besitz der Grafen von Sayn-Wittgenstein). 1674 lagen auf der stark befestigten Burg 100 und in der Stadt Bernkastel 400 Mann kaiserliche und trierische Truppen: ,,Tum temporis in Civitate Berncastel erant viri circiter 400, in castello 100, quod bene munitum fuerat".

8 Am 21. März 1674 griffen die Franzosen mit 2000 Mann vor Tage Landshut an, wurden aber mit blutigen Köpfen und Hinterlassung vieler Todten zurückgeschlagen.

Das Tagebuch des Alexander Henn berichtet weiter: ,,September 1674: Hunolstein wird durch Belagerung genommen.

15. Februar 1675: Lieser wird durch Verrat besetzt, zwei Häuser eingeäschert."

20 Im März 1675 wurde das Hospital Cues befestigt und durch eine fliegende Brücke (Schiffbrücke) mit Stadt und Schloß Bernkastel verbunden, wie es aus einem Eintrag im Taufbuch der Pfarrei Bernkastel vom 7. März 1675 hervorgeht:,,Anno 1675 haerente Berncastelli volantili ponte, et fortificato Hospitali Cusano." Nach vierwöchiger Belagerung wurde Trier von den Kaiserlichen und deren Verbündeten eingenommen:

Der Krieg endete mit dem für Deutschland unvorteilhaften Frieden zu Nymwegen am 5. 2. 1679.

Quelle: Bernkastel im Wandel der Zeit, Franz Schmitt

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