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Römischer Tempel in Drohnecken

Wandert man durch das vom Röderbach durch flossene »Singende Tal« und verläßt es am obersten Stauweiher, der früher als Fischteich angelegt wurde, in Richtung Schlaukopf, so nimmt einen nach etwa 500 m schattigen Waldwegs ein lichter Buchenbestand höheren Alters auf. Man befindet sich jetzt in der Abteilung 96 des Forstamts Dhronecken, etwa 3,2 km südöstlich des Ortsteils Bäsch, Höhenlage ca. 642 m üb. NN.

Hier ist die Stelle eines kelto-römischen Tempelbezirks von beachtlicher Größe. Zwei Säulenstümpfe, Bruchstücke von roten Ziegelsteinen und Mörtelreste liegen heute noch am laubbedeckten Waldweg.

In dieser Waldesstille, unter schattenspendenden Baumkronen, ist ein Verweilen nach etwas anstrengendem Aufstieg angenehm. Überläßt man sich kurz einer visionären Schau zeitversetzt über zwei Jahrtausende hinweg, so wähnt man, pulsendes Leben an dieser geschichtsträchtigen Stelle wahrnehmen zu können: Verlief doch früher in Sichtweite zum Tempelbezirk eine Römerstraße, und zwar eine Verbindungsstraße von Heidenpütz bei Elzerath über Scheidbaum, Tallinger Kaisergarten-Bäscher Eichenstück-Fuchsstein Röder- und Hohltriefbachtal zum Ramstaller Floß. Sie verband die beiden Höhenheerstraßen Trier-Mainz und Trier-Frauenberg (Nahe)-Worms, die »Via Treveris Argentoratum« miteinander.

Die Römer brauchten als militärisch eingesetzte Besatzungstruppe gute Fern- und Heerstraßen. So kann sich das geistige Auge leicht die auf der vorbeiführenden Römerstraße marschierenden römischen Legionäre vorstellen .

Es war im Frühjahr 1899, als hier der staatliche Forstmeister Hoffmann bei der Anlegung eines Waldweges auf zunächst unscheinbares Mauerwerk stieß. Es fanden sich weiter einige eiserne Gegenstände. Der Forstmeister machte dem damaligen Provinzialmuseum in Trier sofort entsprechende Mitteilung. Dank der Unterstützung seitens der Museumsverwaltung unter Direktor

Hettner und des Regierungspräsidenten zur Nedden in Trier konnte das Museum im Sommer und Herbst des Jahres 1899 Ausgrabungen vornehmen lassen.

Eine Erschwernis hierbei war, daß wegen des gleichzeitigen Eisenbahnbaus Hermeskeil-Simmern ein Arbeitermangel bestand. Bald stellte man fest, daß es sich um eine alte Tempelanlage mit darumliegenden Wohnstätten handelte.

Der eigentliche Tempelbezirk nahm einen recht-eckigen Platz von 65 m Länge und 59,65 m Breite ein. Er war von einer 0,60 m breiten Mauer umgeben. In der Mitte lag die Cella, der Kultraum des Tempels. Der Bodenbelag war aus Mörtelestrich hergestellt, in den Umgängen befanden sich Steinstickungen. Aus der Anordnung ließ sich schließen, daß man auf einigen Stufen zur Cella herabsteigen mußte. Sie bildete ein Rechteck von 8,60 m zu 10,30 m. Das Mauerwerk bestand aus heimischem Gestein, der festen Grauwacke.

Bei den Maurerarbeiten war reichlich Mörtel verwendet worden. Neben dem Haupttempel lagen zwei kleine Tempelchen. Das Fundamentmauerwerk war in seiner obersten Schicht durch eine sorgfältige Mörtelschicht abgeglättet. Die nördliche Umfassungsmauer war besonders gut erhalten (siehe Abbildung). Hier waren sorgfältig zugehauene Grauwackensteine von etwa 11 cm Höhe und einer Breite von meist 19 cm verwendet worden, bisweilen von 24 - 29 cm.

Weiter fand man die Hälfte eines Steinbeiles aus grüner Grauwacke, wie sie hier anzutreffen ist. Die Funde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Trier.

Als Dachbedeckung wurden sowohl Dachziegel als auch Dachschiefer festgestellt. Vermutlich war das Dach ursprünglich mit dem einen Material gedeckt und später mit dem anderen ausgebessert worden. Die vorerwähnte, besonders gut ausgeführte Mauer an der Nordseite des Tempels hatte die Aufgabe, die Feuchtigkeit vom Tempel abzuhalten. Dem gleichen Zweck, nämlich der Ableitung des Oberflächen- und Grundwassers von den höher gelegenen Grundstücksteilen, dienten mehrere Lagen lose aufeinanderliegender Steine wie bei einem Schweizerkanal.

Außerhalb der Umfassungsmauer, unmittelbar an deren Nordecke, wurden vier Brandgräber, etwa 1 m voneinander entfernt, freigelegt. Durch Knochenreste und Kohlen waren sie zweifelsfrei als Brandgräber zu erkennen.

Grab 1 enthielt ein Schwert,

Grab 2 enthielt Rosettenfibel, Terrakotte eines Löwen, 1 Lanzenspitze und rötliche Tonscherben, Grab 3 enthielt 4 Lanzenspitzen,

Grab 4 enthielt 1 eiserne Scheide, Schwertgriff, Teil einer Kette.

Aus den Funden war zu schließen, daß die Beisetzungen sicherlich in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts erfolgten.

Aus den verschiedensten Gründen wird gefolgert, daß die vielen Terrakotten einmal alle zusammen in Tempel aufgespeichert waren. Sie waren nicht mit Mauersteinen gemischt, sie bildeten vielmehr eine geschlossene Schicht. Vielleicht wurde ein anderer Tempel von Terrakotten und anderen Weihgeschenken gesäubert, um ihn möglicherweise dem christlichen Kultus zu übergeben.

Außerhalb der Umgrenzungsmauer befanden sich ferner sieben größere Gebäude und die Wasserquelle. Manche der Gebäude werden den Priestern und Priesterinnen, Gästen und Gesindeleuten als Wohnstätten gedient haben. Keine Inschrift gibt Aufschluß, welchen Gottheiten die Tempel geweiht waren. Die Terrakotten-Votive gelten den verschiedensten Göttern, unter denen die germanisch-gallisch sitzenden Göttinnen bei weitem am stärksten vertreten sind. Die zahlreichen Reliefs von Amor und Psyche, eines schlafenden Amor, von Cybele, von Serapis weisen auf den Totenkult hin. Aus dem wertvolleren Bronzematerial ragen die Marsstatuetten hervor.

Daß die Stelle schon seit dem 3. oder 4. Decennium des 1. Jahrhunderts besiedelt war, beweisen die Fundstücke der vier entdeckten Gräber. Wahrscheinlich hat auch schon in so früher Zeit die Kultstätte ihren Anfang genommen. Im damals noch wenig besiedelten Hochwald, dessen Einsamkeit auch Ausonius in seiner "Mosella" schildert, waren die Votivgaben sicherlich noch kärglich. Doch lassen manche GIäser erkennen, daß die Hochwaldleute schon im 1. nachchristlichen Jahrhundert von den feinsten Produkten antiker Kunstindustrie nicht abgeschlossen waren.

Zwei Grabhügel der frühen La-Tene-Zeit lagen nur wenige hundert Schritt vom Tempelbezirk

entfernt. Möglicherweise ist eine durchgehende Besiedlung von jener Zeit bis zur römischen anzunehmen. Durch den Reichtum der Funde hat sich der Tempelbezirk im Röderberg, mitten im Hochwald, für immer einen Namen in der rheinischen Archäologie gesichert.

Quelle: Jahrbuch Kreis Bernkastel Wittlich 1977 Willi Schmitt

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