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Die Pfarrkirche St. Michael |
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| Kirche St. Michael Sommer 1998 |
Baubeschreibung.
Die Pfarrkirche St. Michael liegt am Flußlauf der Mosel und war ehemals vom Kirchhof
umgeben. St. Michael ist das einzige im Stil des 14. Jh. noch einheitlich erhaltene
Bauwerk der Moselgegend. Es ist außen verputzt und zeigt außer der zierlichen Nordtür
keinen alten Schmuck mehr.
Der Bau mißt in der Breite 15,60 m im Lichten und hat eine Mittelschiffhöhe von 10,75 m
im Scheitel.
Die Gründung einer kath. Pfarrei Bernkastel muß vor 1017 bestanden haben, als dieser
Besitz Adalberos von Luxemburg an den Trierer Erzbischof fiel. 11T7 wird Theoderich von
Saarburg als erster Pastor von Bernkastel genannt.
Grundmauern von der wahrscheinlich ersten Kirche fand man 1970 bei Ausschachtungsarbeiten
unter dem jetzigen Kirchenbau; außerdem entdeckte man unter dem Putz an der Nordwand des
Chores einen romanischen Sandsteinbogen. Der Kern des Kirchengebäudes (2) - das
zweijochige Mittelschiff mit den beiden Seitenschiffen und dem Chor - erstand in der
2.Hälfte des 14. Jh. im spätgotischen Stil. Der Chor erhielt 1664/65 einen achtseitigen
Dachreiter mit offenen Bögen und geschweifter Haube; es ist das sog. Ave-Maria-Türmchen.
Im 17. Jh. erhielt die Kirche mehrere große Anbauten, die Kneipsche Kapelle wurde an die Nordseite des Chores angebaut, die Sakristei erhielt einen Anbau im Osten hinter dem Hochaltar und nach Westen hin wurde das Kirchenschiff um ein Joch für die Orgelempore erweitert und außen mit einer Barockfassade ausgestattet. Diese Barockfassade wurde 1968 wieder freigelegt und restauriert, nachdem ihr um 1870 eine neogotische Fassade vorgesetzt worden war. Außerdem erhielt das frühere Hauptportal einen Vorbau in Kapellenform, dessen Außenwand ein Mosaik "Christus in der Kelter" von Werner Persy aus Trier ziert.
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| Michaelsturm im Herbst 1998 |
Der Michaelsturm
Der mächtige, rechteckige Turm (1) ist das
Wahrzeichen der Stadt. Er gleicht einem Wehrturm und hat offenbar als solcher gedient,
denn an ihm führte die Stadtmauer vorbei. Der Turm steht schräg zur Kirche und war
ursprünglich freistehend. Im Zusammenhang mit der Stadtbefestigung wurde er zu Beginn des
14. Jh. in romanischem Geist erbaut.
Er besteht aus Bruchsteinmauerwerk, aus Schiefergestein der Gegend. Ähnliches
Mauerwerk findet sich auch bei der Kirche zum HI. Geist und bei einigen Wohnhäusern aus
der Jahrhundertwende. Der Turm mißt 4,60x4,25 m im Lichten und hat eine Höhe von 56 m.
Die Tür und das Fenster im Erdgeschoß wurden 1860 gebrochen. Hierüber erheben sich vier
schlichte Geschosse mit schmalen Schlitzfenstern und zwei weitere Geschosse mit
rundbogigen Fensterpaaren, die mit runden Zwischensäulchen und rotem Werkstein verziert
sind. Die Ecken des obersten Geschosses bilden auskragende Erker mit Verzierungen aus
ebenfalls rotem Sandstein. Die Mauerstärke beträgt hier noch immerhin 1,75 m. Um 1486
erhielt der abgeplattete Turm einen schieferbedeckten achtseitigen Helm, den acht kleine,
ebenfalls achtseitige Türmchen umstehen.
Innenraum
Der Innenraum von St. Michael ähnelt einer Pseudobasilika. Das Langhaus
ohne die Verlängerung um ein Joch für die Orgelempore - einen fast quadratischen
Grundriß mit zwei quadratischen Jochen im Hauptschiff (15,60x15,80 m) und zwei ungleich
breiten Seitenschiffen. Weitgespannte, schwungvolle Kreuzrippen und spitzbogige Arkaden
ruhen auf kapitellosen, kurzen Säulen. Der nur auf einer Seite belichtete Obergaden
(diese Fenster wurden später hineingebrochen) ist sehr niedrig und wirkt daher
eigenartig.
Die Architektur mit Kreuzrippengewölbe übermittelt einen hallenartigen Raumeindruck. Das südliche Seitenschiff ist sehr schmal. Die Anlage erinnert an Kirchenbauten des 15. Jh. in Klausen, an St. Gangolf und St. Antonius zu Trier, bei denen das südliche Seitenschiff ganz fehlt. Der Chor mit einem Joch schließt fünfseitig und ist wie das Langhaus breit und niedrig gelagert (13,26 m lang, 8,15 m breit). Die Dienste stehen auf funfseitigen Sockeln; ihre Kelchkapitelle formen naturalistisches Blattwerk, nämlich Efeu, Feigenlaub, Eiche, Ahorn, Weinlaub und Kresse. Die beiden Gewölbekonsolen am Triumphbogen zeigen Rosen- und Efeublattwerk. Die Kreuzgewölbe mit Rippen die in Birnstabprofil enden in zwei runden Schlußsteinen, die das Lamm Gottes und Christus als Richter darstellen.
Die Spitzbogentür zur Sakristei datiert aus der Erbauungszeit des Sakristeianbaus im Osten um 1695. Die Maßwerkfenster wurden um 1860 in gotischer Form erneuert.
Anbauten.
Vor 1645 verlängerte man das Mittelschiff um das neben dem Turm gelegene Joch nach Westen
(3) für die Orgelempore, dessen Formen 1860 und 1924 den älteren angepaßt wurden.
Sakristei(S). 1663/65 wurde hinter dem Hochaltar ein fünfeckiger Bau mit Strebepfeilern und Kleeblattbogenfenstern fur die Sakristei angebaut. Zuvor hatte sich die Sakristei im Untergeschoß des Turmes befunden und ab 1652 an der Südecke des Chores in einer heute nicht mehr bestehenden Kapelle anstelle der heutigen Kneipschen Kapelle (4). Für den 1663/65 neu errichteten Sakristeianbau verwendete man Fenster der Burg Landshut, die 1914 durch neue Glasmalereien ersetzt wurden. Sie zeigen allegorische Figuren, nämlich Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit.
Der Raum hat Tonnengewölbe mit Stichbogenkappe. Die Kneipsche Kapelle (4) ist ein baukünstlerisch qualitätvolles Kleinod. Seine barocke Formgestalt bildet einen reizvollen Kontrapunkt zur gotisch schwungvollen Architekturstrenge der Michaelskirche und zur romanischen Einfachheit des Turmes.
1659 begannen die beiden Trierer Baumeister Bernhard Monsati und Hubertr Wolf mit dem
Neubau an der Nordseite des Chores. Die Weihe fand am 16. 2. 1662, statt. Benannt ist die
Kapelle nach ihrem Stifter Johann Jacob Kneip, der in Bernkastel beheimatet und später
apostolischer Notar und Sekretär des Domkapitels zu Trier war. Wie die Inschrift der
Alabastertafel im Fußboden sagt, wurde Kneip hier am 28. 11. 1680 beigesetzt. Die
Kneipsche Kapelle ist ein quadratischer Raum (4,15 m) mit achtseitiger Laterne und flacher
Kuppel. In die Laterne sind sieben einfache Rundbogenfenster eingelassen. Sie hat ein
geschweiftes Dach mit achtseitiger Laterne.
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1. Turm, Anf. 14. Jh., ursprüngl. freistehend 2. ursprüngl. Kirche,(1386 vollendet) 3. Erweiterung der Kirche, mit Orgelempore 4. Kneipsche Kapelle, 1659 angebaut 5. Sakristei (1664) 6. Kalvarienberggruppe, 1496 7. Pieta, Anfang 15. Jh. 8. Pestaltar (1631) 9. Sebastianus-Pestaltar (1631) 10 Sakramentshaus(lS. Jh.) 11. Grabmal d. Burggrafen Reiner (ges. 1372) 12 Marienaltar (1750) 13 Nikolausaltar; um 1750 14 Hochwassermarke |
| Grundriss der Kirche St. Michael |
Quelle Franz Schmitt: Bernkastel im Wandel der Zeit