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Das Graacher Tor

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Graachertor Nov. 1998

Das einzige erhaltene Stadttor ist das Graacher Tor, benannt nach dem Ort Graach, in dessen Richtung die Straße und das Tor führen. Es war früher dreimal höher, bis König Ludwig XIV. von Frankreich, in seiner Heimat hieß er "Sonnenkönig", an der Mosel "die Geißel des Rheinlandes",die Stadtmauern schleifen ließ.

8000 Menschen mußten seinerzeit die Steine über den Berg nach Traben - Trarbach tragen, dort wurde die damals größte Befestigungsanlage der Welt, der Mont Royal erbaut. Er bot Platz für 22000 Soldaten, 3000 Pfede und beinhalte ein Lazarett für 1000 Mann. Nur zwölf Jahre später sprengten die Franzosen die Festung, da sie durch einen Vertrag Straßburg zugesprochen bekamen und die Mosel räumen mußten.
Quelle: Mittelmosel Touristik & Werbung GmbH

Die sich hier anschließende Straße führte früher nach dem Moselort Graach. Heute dient sie als Weinbergsweg und führt unteranderm zum Bernkasteler Doktor.

Das Gebäude hat im laufe der Zeit mehre Funktione besessen. Es diente als Stadttor, Gefängnis, Wohnung und jetzt als Heimatmuseum.

Peter Kremer schreib zum Graachertor folgenden Aufsatz.

Die ,,Grabenstraße" und die nur einseitig bebaute Zeile ,,Hinterm Graben" umrunden heute das alte Tor, aus dem eine feste Straße steil hinauf in die Weinberge führt. Aus dem Herzen des Städtchens kommend, taucht diese aus dem Torbogen auf, und hier an der Nordgrenze von Stadt und Berg ist das Bollwerk über sie gebaut, das wuchtige Portal, das nun Tag und Nacht offensteht, das aber mit Wölbung und Dach, mit Spritzenhalle und Wächterhaus, mit seinem Gewinkel und Gemäuer hier am Fuß des Berges immer noch einer kleinen Festung gleicht.

Es ist von den acht Durchlässen, die ehemals die Mauer der befestigten und umwehrten Stadt Bernkastel durchbrachen, das einzige noch erhaltene Tor. Ursprünglich stand über dem Torbogen auch ein hoher Wehrturm, ähnlich dem reckenhaften Miachelsturm am Gestade. Wie wir an alten Stichen sehen können, hatte dieser Torturm um 1590 eine mäßig hohe Helmbedachung mit zierlichen Ecktürmchen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts erfuhr das ,,Graacher Tor jedoch einen Umbau, der es niedriger gestaltete und ihm ein paar Linien von strengem Geist der Renaissance ins Gesicht prägte, und in dieser Form steht es heute am Stadtrand.

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St. Michael an der Aussenfront des Graachertores

Breit ist der rechteckige Bau hingelagert. Das Erdgeschoß umfaßt zunächst die massive, zweijochige überwölbte Durchfahrt, deren Außenseite in wuchtiger Rundbogenform von roten Rustikaquadern ummauert ist. Daneben sehen wir eine verschlossene Gerätehalle. Über dem Torbogen steht Sankt Michael, der Stadtpatron, der den Aus- und Eingang bewacht, wie der Erzengel auch den Marktbrunnen ziert, das älteste Kirchenportal beschirmt und den Brückenkopf behütet. Es ist leider eine neue Figur, die alte wertvolle verwahrt das Trierer Diözanmuseum. Ein warmes Mansardendach bedeckt den Baukörper. Stellt das Tor nach der. äußeren Bergseite seine glatten, wehrhaften Wände hin, so bietet es von der Stadtseite her den Anblick eines gemütlich verwinkelten Gehäuses. Tief ist die Schieferbekleidung mützenartig herabgezogen; eine abgetretene Turmtreppe führt ins Innere, und geborgen und heimelig schmiegen sich gleich die Nachbarhäuser an das dicke Gemäuer. Friedliche Leute wohnen in dem einstigen Verteidigungsbau und in seiner engsten Umgebung; sie geben mit blitzsauberen Gardinen und heiterem Blumenschmuck dem malerischen Bauwerk ein traulich-wohnliches Gesicht. Nichts mehr erinnert an jene Zeit, in der über diesem Tor von kleinen und großen Übeltätern die ,,Thurmstrafe" bei ,,waßer und brodt" abgesessen wurde, wobei die Blicke der Eingesperrten wehmütig über die prangenden Weinbergslagen und das anmutige Moseltal schweifen mochten.

In jener Zeit war es der Hauptstraßenzug, der hier an der Nordseite in die alte Hansestadt führte. Seit Beginn unseres Jahrhunderts fließt der Verkehr statt über den Berg durchs Tal, und so ist es heute nur eine stille Straße, die das Tor durchbricht, eine Weinbergsstraße, die der Arbeit dient und über die aus edlen Lagen die kostbare Ernte in die Keller rollt. Und es ist auch ein stiller Tor- und Stadtwinkel, der besonders malerisch wirkt, wenn die Sonne darauf scheint, wenn Licht und Schatten die steinerne Wucht mildern und mancherlei Farben den alten Bau umspielen. Aber auch dann ist hier nichts zu merken und zu ahnen von der feinen, fast spielerisch zierlichen Art der Schnitzfachwerke an den Bürgerhäusern drinnen im Städtchen; hier ist alles zweckbestimmte, steinerne Wehr, quadergefügte Baumasse, bloß ein wenig aufgelöst durch Tordurchgang und Heiligennische.

So hat dieses einzig erhaltene Tor seinen bergenden Charakter bewahrt: es ist Anfang und Ende der Stadt, Ein- und Ausgang, zugleich Schirm und Schutz, Abwehr und Trotz.

Quelle: Peter Kremer

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