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Das Ecce-Homo in den Bernkasteler Weinbergen

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Ecce-Homo Juni 1998

Einem alten Brauch folgend, machen Bernkastler Männer alljährlich in den Abendstunden des Gründonnerstag, einen Bußgang zum ,,Ecce-Homo".

Während die Tinkel-, die Josef- und St. Annakapelle das ganze Jahr über von den Gläubigen aufgesucht werden, ist das Ecce-Homo-Bild bei der Bevölkerung etwas in Vergessenheit geraten. Woran das liegt, vielleicht weil der Bildstock etwas abseits steht?

Gerade diese Gebetsstätte hat eine besonders ehrwürdige Tradition. Das ,,EcceHomo" ist der sichtbare Ausdruck einer Vereinigung, die sich im 17tenJahrhundert ,,Todesangstbruderschaft" nannte.

Eine noch vorhandene Urkunde beweist, daß Papst Urban der VIII die Todesangstbruderschaft im Jahre 1 643 in Bernkastel aufgerichtet und bestätigt hat. Auffällig sind die in der Urkunde genannten Bedingungen zur Gewinnung von Ablässen. Neben praktischen Gebetsübungen werden Werke der Nächstenliebe empfohlen und verlangt.

Man hat leider keinen Hinweis auf welche Weise, durch welche Mittelsperson, diese Papsturkunde, die mit dem Papstsiegel - dem Fischerring, versehen ist, nach Bernkastel gekommen ist.

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Innern der Kapelle

Die Chronik besagt, daß das Zentrum der Todesangstbruderschaft ursprünglich im Rheingau - in Mariental, gewesen ist. Auch dort wurde als sichtbares Zeichen, ein Gnadenbild Jesus am Ölberg, Nothgottes oder auch Todesangst Christi genannt, verehrt. Weite und beschwerliche Wallfahrten sind damals von überall her, auch aus der Moselgegend, nach Mariental unternommen worden.

Es ist anzunehmen, daß die seit 1619 in Bernkastel tätig gewesenen Kapuziner, die auch das Kloster ,,Noth Gottes" im Kheingau erbaut und betreut haben, den Papstbrief erwirkten.

Die kostbare Erinnerung an die Bernkastler Todesangstbruderschaft, ist das sogenannte .,,Ecce-Homo " im Weinberg nach Graach. Der Bildstock wurde gestiftet von Johann Neef und seiner Ehefrau Margaretha Jonkin, er wurde aufgerichtet am 13. April 1654. Es ist das typische Noth - Gottesbild, ähnlich dem im Rheingau. Die Unterschrift lautet: ,,Unserer Bosheit wegen verwundet, zerknirscht und zerschlagen."

Quelle: Festschrift Kolpingfamilie St Michael Bernkastel 1981 Hermann Schmidt

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