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Doppelhaus in der Vorstadt |
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| Doppelhaus in der Vorstadt (Nov.1998) |
Die sogenannte Vorstadt ist zu Beginn der 60er Jahre unseres Jahrhunderts immer schöner geworden. In einem edlen Wettstreit waren die Anwohner der Burgstraße bemüht, ihren alten Häusern und damit der ganzen Straßenzeile ein gepflegtes Gesicht zu geben.
Gleich am Anfang, ein Stückchen oberhalb des Doppelkreuzes, bildet das Doppelhaus Nr. 95 und 96 gleichsam die großartige Ouvertüre zu der langen Straße. Sein altes Gesicht erfuhr damals eine so schöne Auffrischung, daß jedermann sich an diesem imposanten Hausgiebel erfreut.
Dieses Doppelhaus mit seinem eigenartigen ineinandergreifenden Stockwerks-Eigentumsrecht, mit seinen verbogenen Tragbalken und dem bäuerlich-einfachen Ständerfachwerk, das rein konstruktiv und nicht dekorativ gedacht ist, ist der wuchtigste Wohnbau der an sehenswerten alten Häusern so reichen Stadt Bernkastel.
Hans Vogts meint in seinen Kunstdenkmälern des Kreises Bernkastel vom Jahre 1935, S. 96, das Fachwerk mit seinen kleinen Paarfenstern gehöre vielleicht noch dem 16. Jahrhundert an. Im Rahmen der rundbogigen Tür des heutigen Hauses Nr. 95 ist die Jahreszahl 1673 eingekerbt. Beide Haustüren sind schön; die obere mit dem hübschen Flechtuerkmotiv auf den verzierten Pfosten und dem Oberlicht ist kunstvoller und vornehmer als die untere, die aber als die alte quergeteilte Gattertür mit ihren schlichten Schmucklinien ebenso gediegen ist. Wir stehen hier vor einem auffallenden, ganz seltsamen Bau, der wohl ehemals ein einziges breites Giebelhaus war, mit zwei übereinander vorkragenden Fachwerkgeschossen auf dem massiven Erdgeschoß. Die Straße liegt heute wesentlich höher als zur Bauzeit, so daß das Erdgeschoß jetzt niedriger wirkt und überhaupt die Wucht des Hauses damals noch stärker gewesen sein muß.
Was noch auffällt, ist die völlige Unsymmetrie der Fassadenbildung, heute verstärkt durch die Altersbiegung der Schwellen und die seitliche Neigung der Geschosse. Diese unsymmetrische Gestaltung verleiht dem Hause das reizvolle Malerische, zumal in der jetzigen Farbtönung. Die
Fröhlichkeit aus den hellen Feldern zwischen dem braunroten Balkenwerk, sie lacht uns an aus den geschweiften Kopfbändern, welche die Auskragungen tragen, wie auch aus den grünen Deckeln .
Dieses Doppelhaus bietet ein großartiges Bild dar; sein Abbild könnte das Titelblatt eines Landschaftsbuches zieren, so typisch und zugleich monumental steht es vor uns.
Quelle: Bernkastel im Wandel der Zeit, Franz Schmitt