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Julchen Blasius die Braut des Schinderhannes |
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| Juliana Blasius |
Die berühmteste deutsche Räuberbraut war zweifellos Juliana Blasius
(1781-1851). Sie lebte drei Jahre lang mit dem legendären Räuber
"Schinderhannes" (etwa 1783-1803), der bürgerlich Johannes Bückler hieß,
zusammen. Ihr berüchtigter Geliebter wurde am 21. November 1803 mit 19 seiner Kumpane in
Mainz geköpft. In französischen Dokumenten jener Zeit hießen die beiden "Julie
Blaesius" und "Jean Buckler".
Juliana Blasius kam am 22. August 1781 als Tochter des Musikanten und Tagelöhners Johann
Nikolaus Blasius (geb. 1751) in Weierbach bei Idar-Oberstein (heute Rheinland-Pfalz) zur
Welt und wuchs dort auf. Das "Julchen" trat zusammen mit dem Vater und der
Schwester Margarethe (geb. 1779) auf Märkten und bei Kirchweihen als Bänkelsängerin und
Geigenspielerin auf.
Das Todesjahr von "Julchens" Vater und Schwester ist nicht mehr eruierbar. Denn
die Kirchenbücher von Weierbach aus der Zeit von 1798 bis 1830 liegen nur noch in
Bruchstücken vor. Daraus geht jedoch - nach Mitteilung des Pfarrers i. R. Erich Henn aus
Idar-Oberstein - die Schreibweise des Familiennamens Blasius hervor. Als Vorname wird in
der Literatur mitunter auch Juliane angegeben, als Familienname manchmal Bläsius.
Zu Ostern 1800 sah Johannes Bückler das 18-jährige "Julchen" zum ersten Mal
auf dem Wickenhof bei Kirn, als sie dort mit ihrem Vater und ihrer Schwester zum Tanz
aufspielte. Durch einen Komplizen bestellte er das "Julchen" und Margarethe zwei
Wochen später in den Wald bei Weierbach - Flurbezeichnung Dollberg -, wo jemand wäre,
der mit ihnen reden wolle.
Nach dem heimlichen Treffen im Wald bei Weierbach zog das "Julchen" fortan mit
dem "Schinderhannes", der vor ihr schon acht andere Geliebte hatte, durch das
Land. Vier der Geliebten sind namentlich bekannt: Elise Werner, Buzliese-Amie, Katharina
Pfeiffer und Margarethe Blasius - ihre Schwester Margarethe war mit einem Spießgesellen
des Hannes namens Peter Dalheimer liiert.
Beim Prozess gegen den Räuber erklärte das "Julchen" später, sie sei als
15-Jährige mit Gewalt entführt worden. Diese Aussage dürfte eine Notlüge gewesen sein,
denn das "Julchen" hätte später, wenn es in Abwesenheit des
"Schinderhannes" als "Händlerin Ofenloch" unterwegs war, flüchten
können.
Auf dem Höhepunkt seiner Macht um 1800 hielt sich der "Schinderhannes" mit dem
"Julchen" und seiner Bande auf der halb verfallenen Schmidtburg im Hahnenbachtal
oberhalb von Kirn auf. Die Burg war seit der französischen Annektion 1795 von ihren
Besitzern verlassen worden. Im nahegelegenen Dorf Griebelschied feierte die Bande in einem
Gasthof sogar einen öffentlichen "Räuberball".
Zusammen mit Johannes Bückler beteiligte sich "Julchen" Blasius mehrfach -
teilweise in Männerkleidung - an brutalen Überfällen, bei denen sie es sogar in Kauf
nahm, dass die Opfer - wie der Jude Wolff Wiener in Hottenbach - gequält wurden. In dem
Roman "Unter dem Freiheitsbaum" (1922) der aus Trier stammenden Schriftstellerin
Clara Viebig (1860-1952) wird die Räuberbraut als mutig, skrupellos, temperamentvoll und
attraktiv dargestellt.
Zu einem heute nicht mehr genau bekannten Zeitpunkt brachte "Julchen" Blasius in
Bruchsal (heute Baden-Württemberg) eine Tochter des "Schinderhannes" zur Welt,
die bald starb. Während ihrer Gefangenschaft im Mainzer Holzturm gebar das
"Julchen" am 1. Oktober 1802 einen Sohn des "Schinderhannes", der
Franz Wilhelm getauft wurde. Im selben Jahr kam ihre Schwester Margarethe wegen Diebstahls
und Herumlungerns ins Gefängnis nach Kaiserslautern.
Der Mannheimer Künstler Karl Mathias Ernst (1758-1830) porträtierte das
"Julchen" mit dem Säugling an der Brust und den "Schinderhannes" mit
Handschellen. Auf dem vermutlich geschönten Bild sind die drei herausgeputzt und auf
Biedermeier-Idylle getrimmt dargestellt. Der Junge wurde später von dem Mainzer
Zollwächter (Steuereinnehmer) Johannes Weiß adoptiert. Sein späteres Schicksal ist
nicht bekannt.
"Julchen" Blasius wurde im Prozess gegen den "Schinderhannes" und
seine Kumpane zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die verhältnismäßig milde Strafe
beruhte darauf, dass ihr Geliebter sie während des Verfahrens immer wieder zu entlasten
versuchte. Er sagte: "Ich habe sie verführt, sie ist unschuldig." Der
Gerichtsort Mainz hieß damals Mayence und lag im französischen Département du
Mont-Tonnere ("Donnersberg"), und der "Schinderhannes" wurde als
französischer Staatsbürger "citoyen Jean Buckler" angeklagt.
Nach der Hinrichtung des "Schinderhannes" verbüßte "Julchen" Blasius
ihre Haftstrafe im "Korrektionshaus" in Gent (Belgien). Nach ihrer Entlassung
arbeitete sie zunächst als Dienstmädchen beim Pflegevater ihres Sohnes in Mainz. Bald
darauf kehrte sie - vermutlich wegen Nachstellungen der Männer dieses Hauses - in ihren
Heimatort Weierbach zurück.
In Weierbach ehelichte "Julchen" Blasius einen Gendarmen namens Uebel, der bald
darauf während der Befreiungskriege starb. Am 2. Juli 1814 heiratete sie im Alter von 32
Jahren in Weierbach ihren verwitweten Vetter, den Ortspolizeidiener Johann Blasius. Aus
dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen allerdings nur zwei das Erwachsenenalter
erreichten.
In späteren Jahren wurde Juliana Blasius zuweilen von in Weierbach durchreisenden Fremden
neugierig bestaunt. Dabei spendierte man ihr manchmal einen Schnaps, worauf sie sich als
"Frau des Schinderhannes" brüstete. Als dies die Behörden erfuhren, erhielt
das "Julchen" 1844 den Besuch eines Staatsanwalts aus Saarbrücken. Er befand,
sie sei "reinlich gekleidet" und ,,noch gut konserviert". Bei der
Unterredung bezeichnete sie die Zeit an der Seite ihres "ersten Mannes" als die
schönste.
Juliana Blasius überlebte den "Schinderhannes" um 47 Jahre. Am 3. Juli 1851
starb sie im Alter von 69 Jahren in ihrem Heimatort an Wassersucht.
In der Literatur wird die "bekannteste Weierbacherin" unterschiedlich beurteilt.
Die erwähnte Clara Viebig arbeitete ihre Rolle am deutlichsten heraus, entfernte sich
aber auch relativ weit von den gesicherten Fakten weg, indem sie viele Episoden um
"Julchen" in ihren eigenen Geburtsort Trier und ins Moseltal versetzte. Carl
Zuckmayer (1896-1977) hielt sich mehr an die Fakten, machte das "Julchen" jedoch
in dem Schauspiel "Schinderhannes" mehr zur Randf igur.
Während der 1990-er Jahre wurde in der Naheregion das Theaterstück "Julchen oder
das zweite Leben" von Armin Peter Faust aus Weierbach häufig aufgeführt. Damals
lebten in Weierbach noch mindestens acht Nachkommen des "Julchens".
Hinweis: Die Biographie über Julchen Blasius stammt aus
dem Buch "Superfrauen 1 - Geschichte" (ISBN 3-89811-417-1) von Ernst
Probst, die im März 2000erschienen ist. Siehe
http://mitglied.tripod.de/dasjournal/superfrauen1.html
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