franz2.gif (13907 Byte)

 

Schinderhannes und die Polizei

schin10.jpg (14709 Byte)
Die Hinrichtung des Schinderhannes

Die Tradition der rheinland-pfälzischen Polizei reicht zurück bis ins späte 18. Jahrhundert. Ab 1792 hatte Frankreich seine Grenzen bis an den Rhein vorgeschoben und die linksrheinischen deutsche Gebiete besetzt und später, 1801, endgültig dem eigenen Staatsgebiet eingliedert und in Departements eingeteilt. Mainz erhielt den Status des Regierungssitzes des Departements Donnersberg.

In diesen Zeiten der Not und der Kriegswirren taten sich junge Männer zusammen, um den Franzosen Vieh zu stehlen. Der bekannteste unter ihnen war eine gewisser Johannes Bückler, der unter den Namen Schinderhannes bekannt wurde.

Solange sie nur die Franzosen bestahlen, waren sie Volkshelden. Das änderte sich schnell, als die Bevölkerung selbst Opfer der Räuber wurde. Die Obrigkeit war machtlos, und so konnten die Verbrecher ungehindert ihr Unwesen treiben.

Am 10. Januar 1798 beschloß die Regierung in Paris, das Volksdirektorium der französischen Republik, den Aufbau einer Gendarmerie in den besetzten Gebieten, mit der Aufgabe, die Freiheit, das Eigentum und die Sicherheit der Bürger zu sichern - und begründete so eine Tradition die sich lange hielt: Bis 1973 hieß die Polizei in unserem Bundesland Gendamerie.

Die Gendarmerie hatte einen weitgehend militärischen Charakter. Sie bestand aus vier Kompanien in den Verwaltungszentren Köln, Koblenz, Mainz und Tier. Diese bestanden aus einem Kapitän, 3 oder 4 Leutnants, einem Oberwachtmeister sowie Wachtmeistern, Brigadieren und Gendarmen. Diese waren organisiert in Brigaden, jede Kompanie verfügte über 20, die aus je fünf Mann und einem Wachtmeister oder Brigadier als Kommandanten bestanden. Die Offiziere und Oberwachtmeister waren Franzosen, ein Viertel der Gendarmen Einheimische.

Die neue Organisation wies bald erste Erfolge auf: Die Brigade Krin faßte den Schinderhannes und brachte ihn ins Gefängnis Simmern, aus dem er jedoch mit Hilfe von draußen entkommen konnte. Er floh über den Rhein und wurde erst am 31. Mai 1802 in Hessen gestellt. Die hessischen Behörden lieferten den Schinderhannes am 16. Juni 1802 nach Mainz aus, wo am 24. Oktober 1803 der Prozeß gegen 46 Männer und fünf Frauen eröffnet wurde. Der Prozeß endete mit 20 Todesurteilen, die am 21. November 1803 vollstreckt wurden.

Am 20 Dezember 1808 wurde die französische Polizeitruppe, vor allem aus finanziellen Gründen, abgezogen. Bis dahin hatte sie aus unserem Landstrich, in dem 10 Jahre zuvor "am Tage niemand ohne Begleitung, bei Nacht aber kein Mensch über Feld zu gehen sich getraut, aus Furcht mißhandelt oder beraubt zu werden", wie es in einer zeitgenössischen Quelle heißt, wieder ein sicheres Gebiet gemacht.

Nach dem Sieg über Napoleon und der Neuordnung durch den Wiener Kongreß fiel das linksrheinische Rheinhessen an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, woraufhin die verbliebenen Polizeikräfte, 1 Offizier und 41 Landgendarme, in die Dienste des Großherzogs eintraten. Sie wurden am 1. April 1817 mit den hessischen Landdragonern vereinigt, behielten aber wegen ihrer Tradition eine Sonderstellung.

Fünf Jahre später wurde die gesamte Organisation in Gendarmerie unbenannt. Die Dienstanweisung der neuen hessischen Gendarmerie bestand aus 32 kurze Paragraphen, die auf die Erhaltung der Ordnung und der Macht des Großherzogs abzielten. Diese Instruktionen waren für die Restaurationszeit typisch.

Der Nachwuchs der Gendarmerie rekrutierte sich fast ausschließlich aus Sodaten, weshalb die Gendarmen auch bald in den Genuß der 1822 beim Militär eingeführten Pensionsregelung kamen. Sonst sah die finanzielle Sitaution eines hessischen Gendarmen eher wenig rosig aus: Er verdiente um 1830 etwa 30 Mark im Monat. Wer heiraten wollte, mußte zusammen mit seiner zukünftigen Ehefrau ein Vermögen von 1714 Mark nachweisen. Da blieb nur, sich nach einer reichen Braut umzuschauen.

 

Quelle: Winfried Büttners Buch über die "Mainzer Polizeigeschichte", Von den Anfängen bis zur Gegenwart, erschienen im Verlag der Rheinhessischen Druck-Werkstätte, Alzey, 1996.

 

homeneu.jpg (2271 Byte) inneu.gif (1212 Byte)

Nachrichten an Franz - Peter Kropp