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Die Wernerlegende |
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Im Jahre 1273 wurde in Womrath ein Knabe geboren, der in der hl. Taufe den Namen Werner erhielt. Der Knabe wuchs heran und zeichnete sich durch Frömmigkeit und Tugend aus. Leider starb der Vater früh, und die Mutter vermählte sich darauf zum zweitenmale mit einem Manne, der wohl einen straffgefüllten Beutel Geld, aber kein Herz voll Liebe ins Haus brachte.
Er behandelte Mutter und Kind auf härteste Art. Die Behandlung wurde schließlich derart grausam, daß dem Knaben Werner nichts anderes übrig blieb, als das elterliche Haus zu verlassen. Flüchtigen Fußes wandte er sich nach Steeg bei Bacharach, wo seine Mutter Verwandte besaß. Bei diesen hoffte er liebevolle Aufnahme zu finden. Aber der Weg war weit und führte auf schlechtem Pfade durch tiefe Wälder.
Es war kein Wunder, daß sich der Knabe in der Wildnis verirrte. Geplagt von Hunger und Durst und ach, so müde, suchte Werner seinen mühevollen Weg. Manch Stoßgebetlein schickt er hinauf zu dem, der den Weisen ein rechter Vater ist. Endlich fand er Hirten, die in jener Gegend ihre Herden hüteten. Gern teilten dies mit ihm den letzten Bissen, aber einen erquickenden Trunk konnten auch sie ihm nicht bieten. Keine Quelle und kein Wässerlein war in der Nähe.
Was tut da der fromme Knabe? Gläubigen Herzens steckt er seinen Stab in die Erde, und siehe: dem ausgetrockneten Boden entspringt plötzlich ein klarer, lebendiger Quell, ihm und den Hirten zur Labung. Noch im fünfzehnten Jahrhundert wurde in der Nähe von Bacharach ein Brünnlein gezeigt, das den Namen Wernerquelle trug und das man für jene Quelle hielt, die der Knabe durch ein Wunder aus der Erde hervorgerufen habe. Von den Hirten auf den rechten Weg gewiesen, langte Werner bald in Steeg an, und alle Leiden schienen nun ihr Ende gefunden zu haben. Aber hier erlebte er eine bittere Enttäuschung.
Die ihm Hoffnung waren und Stütze sein sollten, nahmen sich seiner nicht an. Seine Verwandten mit Namen Schmalz und Johannes Becker wiesen dem Knaben die Türe. Was nun tun? Endlich fand Werner bei einem Winzer namens Breitscheid Dienst und Unterkommen. Für kargen Lohn mußte er Dünger in die Weinberge tragen. Es ist wohl zu verstehen, daß Werner unter diesen Umständen nicht lange in Steeg blieb. Er begab sich bald nach Urbar und von da nach Oberwesel. Hier wurde er von Juden bei Anlegung eines neuen Kellers mit Erdetragen beschäftigt.
Während dieser Zeit nahte das Osterfest heran und damit auch die Stunde, da er von dieser Erde scheiden sollte. Am Gründonnerstage des Jahres 1287 hatte der fromme Knabe seine österliche Kommunion empfangen. Als er nun in das Haus des Juden, bei dem er in Diensten stand, gekommen war, sei er, so erzählt die Legende, von diesem und dessen Freunde ergriffen worden. Man hätte ihm dann eine Kugel in den Mund gesteckt und ihn mit dem Kopfe nach unten an eine Säule aufgehängt in der Absicht, ihn der Hostie, die er empfangen hatte, zu berauben. Als ihnen das nicht gelang, hätten sie ihn auf schreckliche Weise getötet.
Damit von dem Mord niemand erfahre, habe man den Leichnam des Nachts in einem Kahn gen Mainz fahren wollen. Aber die Mörder kamen nur etwa eine Meile weit. Eben bricht der Tag an, und die Furcht, den Körper ohne Gefahr nicht weiter schaffen zu können, ist so groß, daß sie landen und den von Blut und Wunden entstellten Leichnam im Gestrüpp verbergen. Hier wurde er gefunden. Die Wächter des Fürstenberges erzählten, sie hätten gegen Morgen einen hellen Lichtglanz über den Hecken strahlen sehen. Die Leiche des armen Knaben wurde in die Kapelle des hl. Kunibert nach Bacharach gebracht und dort feierlich beigesetzt. An Stelle dieser Kapelle erhob sich später eine stattliche Kirche, die dem jugendlichen Heiligen geweiht wurde. Heute sind nur noch die Ruinen dieser Wernerkirche zu sehen. An dem Orte, wo man den Leichnam des Knaben gefunden hatte, wurde das Kloster Windelsbach erbaut, dem man auch den Namen "Haus des hl. Werner" beilegte. Auch hiervon sind nur noch kärgliche Mauerreste übrig geblieben. In Womrath, dem Geburtsorte Werners, ist ebenfalls eine Wernerkapelle, die ein schönes, altes Altarbild des Heiligen schmückt.
Nachrichten an Franz - Peter Kropp