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Der Kellner von Bernkastel |
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Es war zur Zeit, als der Kurfürst Franz Georg von Schönborn (1729-1756) das Erzstift
Trier regierte; da waltete in Bernkastel ein Kellner, der, wie sein Herr, ein sehr großer
Jagdfreund war. 
Die Leidenschaft verführte ihn, in den Hunolsteiner Waldungen unberechtigterweise einen stattlichen Hirsch zu schieißen. Der Frevel wurde nicht zugleich ruchbar; insbesondere blieb er dem Kurfürsten unbekannt.
Das Bewußtsein der Schuld aber lastete wie Bleigewicht auf dem Sünder. Er hatte das Schlimmste zu befürchten, wenn der Kurfürst die Sache erfuhr. Während der Kellner sich in seinem Gewissen furchtbar ängstigte, wurde er durch den Besuch eines Kollegen überrascht. Dieser hatte von der mißlichen Lage seines Freundes gehört und war besorgt herbeigeeilt, um ihm zu helfen. Dringend riet er ihm, etwas zu tun, um des Kurfürsten Zorn, der schrecklich zu sein pfegte, zu entwaffnen.
Die wohlgemeinten Ratschläge des Freundes erfüllten das Herz des Übeltäters mit Vertrauen. Kaum hatte der Gast sich entfernt, als der Kellner sein Pferd satteln ließ, um geradewegs nach dem Rheine zu reiten; denn der Kurfürst residierte augenblicklich im Schlosse zu Ehrenbreitstein.
Dort angekommen, begehrte er seinem Herrn vorgestellt zu werden. Aber das ging nicht so ohne weiteres. Man fragte ihn nach seinem Begehr. ,Ich will dem Kurfürsten beichten." ,Dafür", hieß es "sind die Kapläne da ! "
,,Aber meine Sünde kann nur der Erzbischof lösen", lautete die Antwort. Lange wurde die unerhörte Behauptung bestritten. Schließlich erklärte sich der Kurfürst bereit, die Beichte zu hören.
"Ich habe", so klagte der Sünder sich unter anderem an, "das Unglück gehabt, dem Kurfürsten von Trier auf seiner Jagd einen feisten Hirsch zu schießen". Der Kirchenfürst erteilte dem Beichtkinde die Lossprechung; und was der Erzbischof vergeben hatte, das konnte der Kurfürst nicht mehr bestrafen.
Nachrichten an Franz - Peter Kropp