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Die Mär vom Hahnenbraun

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Veldenz Innenansicht der kath.Kirche 1927

Job Schorr, raffgierig und geizig, halte im Laufe der Jahre einen ansehnlichen Besitz zusammengekratzt. Zufrieden war dennoch nie. Immer mehr wollte er haben.

Am Hahnenbraun besaß er ein großes Stück Land, auf welchem er einen Weinberg anlegen wollte. Schwitzend mühte er sich mit dem Rigolen ab, denn er war zu knickerig, um einige Arbeitskräfte einzustellen. Statt geduldig seiner mühevollen Arbeit nachzugehen, Ruchte er:" Ich wollte, der Satan würde mir diese Schinderei abnehmen!" ,,Aber Gevatter. warum regt ihr euch denn so auf ?"hörte er plötzlich hinter sich eine Stimme. Erschrocken wandte Schorr sich um. Vor ihm stand ein fahrender Scholar. der ihn spöttisch ansah. Allerdings, das über die Schulter geworfene feuerrote Mäntelchen wollte ebensowenig zu dessen Gewandung passen wie der mit einer bunt schillernder Hahnenfeder verzierte spitzen Hut. ., Donner und Doria, wo kommt ihr denn so plötzlich her? ,,fuhr Job den Scholaren an.,, Aber herbeigewünscht hast du mich schon den ganzen Vormittag ,, lachte dieser meckernd. ., Wenn ich dir die Arbeit abnehmen soll, brauchst du nur diesen Zettel zu unterschreiben. Zudem garantiere ich dir von diesem Wingert in jedem Jahr einen fünffachen Ertrag. Habe ich die Reben nicht bis zum ersten Hahnenschrei gesetzt, bist du deiner Verpflichtung mir gegenüber ledig".

Der unerwartet Gewinn blendete Schorr. Er unterschrieb den Vertrag mit seinem Blute, nahm sein Arbeitsgerät und ging fröhlich pfeifend heim.

Seine Frau war sehr erstaunt, ihn schon vor dem Mittagsläuten zu Hause zu sehen. Auf die Frage, ob er mit seiner Arbeit schon fertig sei, antwortete er ausweichend. Aber als rechte Evastochter erfuhr sie dann doch, was sich auf den Hahnenbraun zugetragen haue, ,,Bist du denn noch von allen guten Geistern verlassen Wie konntest du nur auf diesen Handel eingehen rief sie, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend. ,,Deiner Seelen Seligkeit so zu verkaufen". In den schwärzesten Farben schilderte sie ihrem Mann die Folgen seiner Handlungsweise. Nun wurde es dem Geizhals unheimlich. Er eilte zurück zu seinem Weinberg, um den Vertrag nichtig zu machen. Aber der Scholar war nicht mehr da.

Angstvoll wälzte Job Schorr sich in der Nacht auf seinem Lager. Als der Tag herauf dämmerte, bemerktet er, wie seine Frau leise aufstand und in der Küche die Stallaterne anzündete. Danach ging sie zum Hühnerstall. öffnete die Auslaufklappe und ließ vor dem Hahn die Laterne hin und her schaukeln. Durch das Licht munter geworden, glaubte dieser, es sei an der Zeit, die Hennen zu wecken. Er plusterte und schüttelte sich und schmetterte dann ein kräftiges Kickenki in den Morgen.

Meister Unan, gerade dabei, die vorletzte Rebe zu setzen, hörte das Krähen. Voller Zorn darüber, daß ihm der Seelenfang mißlungen war, schwang er sich in die Höhe und stampfte hernieder fahrend den Wingert in die Erde. Wo sich bislang ein sanft abfallender Hang befand, erhob sich nun eine steile Felsenwand.

Job aber war nach dieser in tausend Ängsten durchwachten Nacht von seiner Habgier restlos geheilt.

Lit: Die Grafschaft Veldenz in alten Bildern; Bd:1.1980

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