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Die Sage des Bernkasteler Doktor Weines

Schwer erkrankt lag Erzbischof Boemund 11. von Trier in seinem Bergschloß über Bernkastel darnieder.

Viele Ärzte nahten dem Schmerzenslager des alten Herrn, keiner aber konnte ihm Rettung bringen. Unglaubliche Mengen von Teetränklein und bitteren Medizinen hatte Boemund schon zu sich genommen; es war vergebens.

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Eingangstür zum Doktor Weinkeller des Weingutes Thanisch in Bernkastel - Kues
mit Darstellung der Doktor - Sage

Da ließ er bekanntmachen, wer das leidige Fieber zu bannen vermöge, der solle kommen und ihm helfen. Einer hohen Belohnung werde er sicher sein.

In derselben Zeit lebte auf seiner Burg im Hunsrück Gerhard, Vogt von Hunolstein (1359-1372), ein hochbetagter Rittersmann. Manchen heißen Kampf  hatte er als junger Knappe und im Mannesalter mitgefochten, manchem Sturm und Regen sowie auch Hitze und Kälte hatte er getrotzt. Der Schnee des Alters bedeckte nun sein Haupt, und tiefe Furchen durchzogen seine wetterharte Stirn. Doch seine Glieder waren noch kräftig; ungebeugt straffte sich sein Nacken, und zu dem weißen Barte, der das Gesicht umrahmte, standen die jugendlich geröteten Wangen in wonnigem Gegensatz.

 

Wenn dieser Ritter in den alten Knochen sich einmal schwach fühlte, oder wenn ihm der Schüttelfrost am kalten Dezemberabend den Körper durchzitterte, half ihm stets nur ein Trunk feurigen Bernkasteler Weines, den er selbst gezogen hatte. Jeweilig nahm er dann davon einen kräftigen Schluck aus dem vollen Humpen, kein jämmerliches Schlücklein nur.

Als der Ritter von Boemunds Siechtum hörte, säumte er nicht, mit dem oft erprobten und stets bewährten Mittel zu helfen. Er machte sich auf den Weg zu dem geplagten Kranken und nahm ein Fäßchen des besten alten Weines mit.

Boemund erschrak nicht wenig, jetzt sogar ein ganzes Faß voll bitterer Arznei genießen zu müssen.

Der Ritter aber hob das rundliche Gefäß von der Schulter, schlug den Kranen ein, löste den Spund und füllte den Becher mit dem klaren, goldenen Naß, dessen würzereicher Duft das ganze Zimmer durchströmte. Da schwanden die Sorgen des kranken Herrn. Er richtete sich auf aus seinen Kissen, nahm die Labe entgegen und leerte den Becher bis auf den Grund.

Der andere schalt unterdessen weidlich auf die Quacksalberei der Doktoren und ließ sie sämtlich zum Kuckuck jagen.

Die neue Heilkur schlug beim Kranken an, er genaß wahrhaftig, und dankerfüllt sagte er zu seinem ritterlichen Freund und Helfer:

"Mein lieber Herr von Hunolstein, dein gesundheitsspendendes Traubenblut ist der beste Doktor; darum sollen Wein und Berg den Namen "Doktor" führen für alle Zeiten!"

 

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Nachrichten an Franz - Peter Kropp