franz2.gif (13907 Byte)

 

Der polnische Erbfolgekrieg (1733-1738)

august.jpg (10529 Byte)
August der Starke, und König Friedrich Wilhelm I.

August II., der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, war am 1. Februar 1733 verstorben. Um den polnischen Königsthron bewarben sich Stanislaus Leczczynsky und August III., der Sohn Augusts des Starken. der französische König Ludwig XV. unterstützte Stanislaus, für August entschieden sich der deutsche Kaiser Karl VI. und die Zarin Anna Iwanowna von Rußland.

Hierüber kam es zum polnischen Erbfolgekrieg, der von 1733 bis 1738 dauerte und erneut hohe Lasten von Stadt und Amt Bernkastel forderte.
Als im Herbst 1733 sächsische Truppen in Polen einmarschierten, erklärte der französische König Deutschland den Krieg. Der französische General Belle Isle ordnete von Metz aus die Belagerung der Festung Trarbach an. Trier wurde besetzt. Das Reich gab dem bereits 70jährigen Prinzen Eugen den Oberbefehl über die Reichsarmee.
Die Franzosen hatten am 29. Oktober 1733 über Kehl die deutsche Grenze überschritten, wegen des bevorstehenden Winters aber Winterquartiere bezogen. Alles, was die Besatzungsarmee benötigte, mußte die Bevölkerung des besetzten Gebietes beibringen, so wie es die Spanier trotz der Schutzbriefe kaiserlicher Generäle bereits gehalten hatten, indem sie das Trierer Land bedrückten und aussaugten nach dem Grundsatz: ,,Wer ein Land schützt, muß auch von ihm leben."

Schon am 9. April 1734 erschienen abends vor Trarbach 14 Grenadier-Kompagnien, 200 Mann der Freikorps Thiers und Pauly und 200 Dragoner, die durch den Hunsrück marschiert waren. Um Mitternacht sprengten sie durch eine Petarde (Sprengladung mit Zündvorrichtung) das Moseltor. Sie zwangen die 100 Mann starke Garnison, sich gegen 4 Uhr morgens aus der Stadt auf die Grevenburg zurückzuziehen. Der trierische Hauptmann Bourdonville wurde mit 45 Soldaten am Weyertor abgeschnitten und gefangengenommen. Die Franzosen fuhren den Bürgermeister hart an, weil er das Tor nicht geöffnet und nicht die Schlüssel überreicht hatte.

Das Hauptziel des Unternehmens, die über der Stadt gelegene Festung durch Handstreich zu nehmen, war mißlungen. Nur die Stadt war in den Händen der Franzosen. Der Führer der französischen Truppen, ein Bruder des Generals Belle Isle, forderte den Festungskommandanten durch einen Tambour auf, die Festung zu übergeben, da es in Italien Herkommen sei, daß ,,wann eine Stadt übergangen, daß Schloß oder das Castelle sich auch ergeben müsse".

Oberstleutnant von Hohenfeld erwiderte, von den italienischen Gebräuchen sei ihm nichts bekannt, ,,ohne dem aber sein wir keine Italiäner sondern Deutsche". Die Festung mußte förmlich belagert werden.

Am folgenden Morgen, dem 11. April 1734, bemächtigten sich 30 Dragoner unter De Rooge der Stadt Bernkastel. Hier wurden Magazine für Lebensmittel und Fourage angelegt. Die ersten Lebensmittel kamen von Metz moselabwärts und wurden in Bernkastel ausgeladen. Bald aber mußten die kurtrierischen Ämter Lebensmittel und Futter in das Magazin liefern. Auch Zeltingen und Rachtig, die kurkölnisch waren, mußten 1800 Rationen aufbringen, obgleich der Kurfürst Clemens August von Köln seine Truppen nicht zur Reichsarmee gestellt und sogar einen geheimen Vertrag mit dem französischen König geschlossen hatte.
Auf seine Beschwerde erwiderte Belle Isle, er habe nicht gewußt, daß das Zeltingen kölnisch sei. Er wolle sich aber jetzt eingehender mit der Geographie Deutschlands beschäftigen.

Am 4. Januar 1735 traf bei dem kaiserlichen Oberkommando, das sich in Heilbronn befand, die alarmierende Meldung ein, daß die Franzosen bei Bernkastel 14 000 Mann mit Mörsern und Kanonen zusammengezogen hätten und daß sie ein Bombardement von Koblenz beabsichtigten. Sofort wurden einige Husaren Schwadronen von Mainz zur Erkundung nach dem Hunsrück geschickt; auch wurden einige Bataillone bereitgehalten, um die Besatzung des Ehrenbreitstein zu verstärken.

Die von Bernkastel abmarschierten französischen Regimenter rückten aber bald wieder in ihre Quartiere ,,wegen des schlechten Wetters und der unprakticablen Wege". Nur 200 Dragoner und 800 Mann des Freikorpsführers Kleinholz setzten sich vorübergehend in Boppard und Rhens fest, um Verpflegungsschiffe auf dem Rhein wegzunehmen.

Bald darauf wurde gemeldet, daß bei Bernkastel auf der Mosel Schiffe für drei Brücken und zahlreiche französische Artillerie eingetroffen seien und die Franzosen vorhätten, Bonn zu besetzen. Am 15. Februar traf der Freikorpsführer Lacroix um 5 Uhr nachmittags mit 50 Dragonern, 50 Husaren und 150 Infanteristen, von Kirchberg kommend, in Kastellaun ein.

Das Bernkasteler Schöffenbuch berichtet von den ungeheueren Forderungen, welche die französischen Kommandanten an Stadt und Amt Bernkastel stellten: ,,Am 5. April 1734 hatte das Amt unter schwerer Verantwortung und unausbleiblicher militärischer Exekution und in allermöglichster Geschwinder" 8 000 Rationen Fourage nach Trier zu liefern.

Unter Ration oder Portion waren 16 Pfund Heu und 7 Pfund Stroh zu verstehen, so daß die 8 000 Rationen 1280 Zentner Heu und 560 Zentner Stroh ausmachten. Da ein Doppelzentner Hafer als 32 Rationen angesehen wurde, konnten die 8 000 Rationen auch mit 500 Zentnern Hafer abgeleistet werden. Der Schluß des Befehls weist nochmals auf die Dringlichkeit pünktlicher Erfüllung der jetzigen und künftigen Kriegslieferungen hin, damit ,,verderbliche Fouragierungen, Brand und Plünderungen" im Lande vermieden werden.

Quelle: Bernkastel im Wandel der Zeit, Franz Schmitt

Ergänzung von Franz Peter Kropp

Die Besatzung ging das ganz Jahr weiter. Truppenbewegungen wurden in der ganzen Gegend durchgeführt. Im Januar 1735 wurde eine Schiffsbrücke über die Mosel geschlagen. Die Brücke wurde am 2. Oktober abgebaut und in Andel wieder aufgebaut. In Andel wurde ein französisches Lager errichtet. General Graf Seckendorf besetzte das Hospital in Cues nachdem es von den Franzosen geräumt wurde.

Die Auseinandersetzungen endeten am 4. November 1735 mit der Schlacht bei Klausen.

Mit der Unterzeichnung des Wiener Präliminarien (11.04.1736) mußte Stanislaus Leczinsky auf die Krone Polens verzichten.

 

homeneu.jpg (2271 Byte)inneu.gif (429 Byte)

Nachrichten an Franz - Peter Kropp