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Aus Mausgasse wurde Schwanenstraße

Fürst Schwarzenberg wurde hier belehnt - später Elementarschule

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Schwanenstraße 1998

Wem der historische Sinn fehlt, und er fehlt heute leider sehr vielen Menschen, wie ja so vielen auch der musikalische Sinn oder sogar der Natursinn abhanden gekommen ist, der geht wie ein Blinder durch die heutige Schwanenstraße und sieht allenfalls eine ganz enge Gasse mit hohen, grauen Häusern, in die auch im Sommer wenig Sonnenlicht fällt, so daß sie den Eindruck der Abseitigkeit und der Vergessenheit, um nicht zu sagen der versponnenen Düsterkeit macht.

Wer aber diesen historischen Sinn besitzt, sieht allein schon an den vielen Prellsteinen, daß diese Gasse einmal im Mittelpunkt des Verkehrs gelegen haben muß, daß sie mit der Moselstraße, in die sie einbiegt, das Herzstück der Altstadt war und daß sie gleich dieser den Hauptteil der alten Bernkasteler Geschichte erlebt und gesehen hat.

Ihr früherer Name führt uns mitten in die Stadtgeschichte. Bis zu unserer Jahrhundertwende hieß sie nämlich ,,Mausgasse". Der Name hatte nichts mit den unbeliebten, langschwänzigen Haustierchen zu tun, obgleich diese falsche Deutung es dann schuld war, daß er auf Wunsch der Anwohner leider, muß man schon sagen - umgeändert wurde. Es war die vielerorts vorhandene ,,Mautgasse", die Zollgasse, in der die durchreisenden Fuhren und Kaufmannswagen ihre Waren mit einer Steuerabgabe Maut genannt, verzollen mußten.

Der Mauseturm im Rhein bei Bingen ist das bekannteste Beispiel derselben Volksetymologie. Die Straße wurde also umgetauft und ,,Schwanenstraße" genannt, wobei man wenigstens im Tierreich blieb. ,,Sperlingsgasse" wäre nach dem Vorbild Wilhelm Raabes treffender gewesen; aber wahrscheinlich trägt sie nun den neuen Namen dem Amtskellner Friedrich Schwan zu Ehren, der anno 1512 Maximilian I. kaiserlich bewirtete und beherbergte. Oder ob der Name das Andenken des Bürgermeisters Jakob Schwan bewahren sollte, der von 1835 bis 1848 Oberhaupt der Stadt war und die Burg Landshut dem Kronprinzen von Preußen verschenkte?

Steckt somit schon im alten wie auch im neuen Namen ein Kapitel der Stadtgeschichte, so birgt die Gasse selbst darüber hinaus eine Quelle für die Geschichte eines der namhaftesten deutschen Adelsgeschlechter. Aus der Zeit der Freiheitskriege und aus dem Revolutionsjahr 1848 kennen wir die österreichischen Fürsten von Schwarzenberg.

Hier in der Bernkasteler Mausgasse sind sie zum erstenmal ins historische Rampenlicht getreten. ,,Am 13. Februar - 1351, more Trev., bekennt der wohlgeborene Knecht Johann von Schwarzenberg, daß er von Erzbischof Balduin begnadigt worden mit einem Burglehen zu Berncastel, nämlich mit einem Hause daselbst, das da war weiland Josemanns des Juden, und mit der Judenschule daran, mit 50 Malter Korn, 20 Malter Hafer, 10 Fuder Wein aus der Kellerei, jährlich im Herbste zu liefern, 2 mittelmäßigen Schweinen, 6 Fuhren Heu und Brennholz nach Notdurft."

Dieses Haus, das also vormals dem Juden Josemann gehörte, hieß fortan der ,,Schwarzenberger Hof' und ist das heutige Haus Nr. 7 (Gindorf). Überweht uns somit in der engen, abgelegenen Gasse nicht heute noch ein Atemlüftlein der großen Geschichte?

Im Jahre 1569 war der Adelshof noch im Besitze der Grafen von Schwarzenberg, später besaß ihn eine Familie von Enschringen. Im Jahre 1644 wurde er als altes, verfallenes Gebäude vom Trierer Domkapitel seinem Sekretär, dem in Bernkastel beheimateten Johann Jakob Kneipf, übertragen.

Nach dessen Tode war das erneuerte Haus Eigentum der Kneipfschen Kapellenstiftung. Er hatte mit seinem Kapellenbau an der Pfarrkirche im Jahre 1666 eine Kaplanei verbunden, die er aus seiner Stiftung dotierte. Dazu erhielten alle Armen, die den Stiftsmessen darin beiwohnten und für den verstorbenen Stifter beteten, für 6 albus Weißbrot oder das Geld selbst, außerdem sollten die zwölf Armen, die am Gründonnerstag zur Fußwaschung in der Kapelle ausgelesen wurden, an diesem Tage für einen albus Weißbrot und ein Maß Wein bekommen.

Nach der Franzosenzeit wurde das Haus zuerst Sitz des Friedensgerichtes, von 1825 bis 1882 diente es als Schulgebäude. Die Elementarschule war damals in der ganzen Stadt verstreut, zwei Klassen barg die alte Kellnerei neben der Pfarrkirche, im Schwarzenberger Hof waren ebenfalls zwei Klassen untergebracht, dazu je eine Klasse im alten Klostergebäude und im Rathaussaal.

Der erste Unterrichtstag im heutigen Gebäude der Bernkasteler Volksschule war der 14. Januar 1882. Der Altar aus der Kapelle des Kneipfschen Stiftungshauses kam 1804 geschenkweise nach Commen, dem Filialort von Longkamp. Er ist ein Werk des Rokokostils und zeigt interessanterweise im obersten Feld des von zwei Greifen gehaltenen dreiteiligen Krönungswappens einen Bären, das Bernkasteler Wappentier.

Vergessen wir nicht, bevor wir die kurze, aber historische Schwanenstraße verlassen, uns die Tür des Hauses Nr. 11, des ehemaligen Mauthauses anzuschauen, eine zweiflügelige Tür mit Rot Rokokoschnitzereien in den vier geschweiften Füllungen, darüber ein zierliches schmiedeeisernes Oberlichtgitter, worin zwei Löwentiere verschlungene Initialen halten. Der Türsturz verrät die Jahreszahl 1769.

 

Lit: Bernkasteler Zeitung 1958 Moselanus ist Peter Kremer

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