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Lebensausklang der Gräfin Loretta

Günther Böse

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Burg Frauenberg

In den letzten Jahren ihres Lebens sorgte Loretta sich um ihr Seelenheil, doch zeigte sie sich nicht sehr freigiebig, wie ihre einzige Kirchengabe bezeugt, die zudem nur eine Zugabe zu der von ihrem Mann gemachten Stiftung war. Sie verdoppelte am 23. November 1342 die Ewiglichtspende für die Kirche in Zweienkirchen bei Wolfstein. Außerdem erfüllte sie noch Verpflichtungen aus früheren Jahren; am 29.6.1344 stiftete sie zwei ewige Messen in den Kirchen zu Enkirch und Wolf für ihren Schwiegervater, den Grafen Johann II., und seine Vor- und Nachfahren, wie dieser selbst vor seinem Tode angeordnet hatte.

Für die Enkircher Messe schenkte sie einen großen Wingert im Hinterberg, dem Wolfer Klosteraltar Weinbergstücke des Enkircher Heidenguts, das sie 1342 gekauft hatte, außerdem den beiden Meßpriestern eine Jahresgülte von vier Malter Korn aus ihrem Zehnten in Reichenbach.

Ein halbes Jahr später, am 13.12.1344, löste sie endlich ihre alte eigene Bußverpflichtung ein, die Ölspende für die Silberleuchter im Trierer Dom. Bei Ausbleiben des jährlichen Ohms Öl gestattete sie dem Trierer Domkapitel, den Kaufpreis von dem sponheimischen Hof (sog. Kaiserhof) in Kröv einzuziehen. Die Meßstiftungen überlebten die Reformation nicht; die Trierer Ölspende existierte wohl bis zum Ende des Kurstaates.

Das letzte Schriftstück, das wir von Loretta haben, ist auf den 29. Juni 1345 datiert und bestätigt die Zweienkirchener Ewiglichtspende. Ende 1345 oder Anfang 1346 ist die Gräfin Loretta, noch nicht 50 Jahre alt, gestorben. Denn am 10. Februar 1346 stiftete ihr Sohn Johann III. sechs Sester Olgülten aus dem Nußbaumgelände in Trarbach und Traben für "ein ewich Licht, Nacht und Dach zu byrnen, in einer Lampen, dy do henckit in yren Munster ubir den Graberin, do unse Vadir und unse Muder, und unse Aneheirre und unse Anevrauwe begrabin sint den Got gnedich si."

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Kloster Himmerod

Bis 1619 empfing die Abtei Himmerod diese Ölrente, bis sie durch Geld (30 Pfund Heller) abgelöst wurde und die Stiftung in Vergessenheit geriet. Loretta fand, wie die eben genannte Stiftungs-Urkunde besagt, neben ihrem Gatten Heinrich in der Himmeroder Erbgrablege ihre letzte Ruhestätte. Das Grabmal ist nicht mehr vorhanden, auch keine Abbildung davon.

In der Klosterchronik des Mönchs Nikolaus Heesius sind 1641 nur die Grabsteine des Grafen Heinrich, des Sohnes Johann III.und der Schwiegertochter Mechthilde abgezeichnet, der Name Lorettas wird nicht erwähnt.

Wir haben von der Gräfin Loretta von Sponheim-Starkenburg kein Bild, keine Beschreibung, keinen Bericht eines Zeitgenossen; nur Urkunden nüchternen Inhalts wie Verträge, Rechnungen, wenige Briefe geben uns Kunde von dieser außerordentlichen Frau. Gräfin Loretta hat die Aufgaben, denen sie sich als Gattin, Mutter und Vormund, als Landesherrin und Altgräfin stellen mußte, mit Tatkraft und Umsicht zu lösen versucht.

Daß sie der Fehdelust und dem Machtstreben benachbarter Lehnsleute und Landesherren widerstand, den mächtigsten und bedeutendsten deutschen Fürsten ihrer Zeit bezwang und sich dabei kühn über die damalige Gesellschaftsordnung hinwegsetzte, machte diese Kleinfürstin zu einer herausragenden Gestalt der Heimat- und Landesgeschichte.

Bewunderungswürdig ist es, wie sie die Pflichten ihrer Familie gegenüber mit Verantwortungsgefühl und Hingabe übernahm und erfüllte. Erstaunlich ist es, wie die junge Frau in den vielfältigen Bindungen des Rechts und der Sitte, in dem komplizierten Gefüge des Lehenswesens und in den Schwierigkeiten der beginnenden Geldwirtschaft sich zurechtfand und behauptete mit der Kraft und Sicherheit eines Mannes.

Außergewöhnlich ist es, wie sie als eine gefestigte Persönlichkeit die seelische Not und die peinvolle Situation, längere Zeit im Kirchenbann leben zu müssen, ertrug. "Ihre Modernität bewies sie und ihre weibliche Klugheit, denen beiden der abstrakte männliche Ehrenpunkt mit all seinen wunderlichen Folgerungen sehr sonderbar erschienen sein muß, indem sie nur nach der Lage der Dinge und dem zu erreichenden Zweck handelte und im Strudel der inneren Wirren und äußeren Kriege ihre Familie, ihr Haus, ihr Land nicht untergehen ließ, sondern hielt, ja sogar mehrte." So sieht sie Annalise Schmidt bei ihrem Versuch, das Wesen dieser Frau begreiflich zu machen.

Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985

 

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