![]() |
|
Loretta von Salm: Herkunft und Familie |
|
Günther Böse
![]() |
| Ruine Hunolstein um 1866 |
Loretta, die spätere Gräfin von Sponheim, stammte aus dem gräflichen Hause Salm, das
den Sponheimern an Alter und Rang ebenbürtig war.
Der bedeutendste Vertreter des Geschlechts, dessen Stammburg in den Ardennen lag, war Graf
Hermann von Salm, von 1081-88 glückloser Gegenkönig Heinrichs IV. Nach der Spaltung des
Hauses in die alte luxemburgische und eine jüngere elsässische Linie, die sich nun
Nieder-Salm und Ober-Salm nannten, erbaute sich Graf Heinrich II. in den Vogesen, nicht
weit vom Donon im Steintal (westlich von Schirmeck) die neue Stammburg.
Sein Enkel; Heinrich IV. (t1293), heiratete 1242 Loretta, eine der fünf Erbtöchter
des letzten Grafen von Kastel an der Blies und der Gräfin Agnes von Sayn, der Erbin von
halb Hunolstein.
Der langwierige, kostspielige Kampf um das Blieskasteler Erbe, das auch der Herzog von
Lothringen beanspruchte, richtete den Grafen von Ober-Salm finanziell zugrunde. 1284
mußte er die Grafschaft Blieskastel und die Herrschaft Schaumberg bei Tholey an den
Bischof von Metz verkaufen; nur die Herrschaft Püttlingen bei Saargemünd behielt er als
Metzer Lehen. Teile der Besitzungen um Hunolstein war er gezwungen, nach und nach zu
verpfänden oder zu veräußern.
Seinem Sohn Johann I., der 1296 die Burg Hunolstein für 2000 Pfund Trierer Heller an
seinen Lehnsmann Nikolaus Vogt von Hunolstein abtrat, verblieben auf dem Hunsrück nur
Restrechte. Der verarmte Salmer hatte 1291 die lothringische Adelige Jeanne von Joinville
geheiratet, die ihm vier Söhne und zwei Töchter gebar. Das dritte ihrer sechs Kinder war
unsere nach der Blieskasteler Großmutter benannte Loretta; ihr Name kommt in Quellen auch
als Lorette, Lorethe, Lauretta vor.
Sie ist vor 1300 auf einer der vier dem Vater verbliebenen Burgen geboren, auf Salm oder
Langenstein im Elsaß, Püttlingen oder Mörchingen in Lothringen. Lorettas ältester
Bruder Johann starb schon 1313; der zweitgeborene Heinrich wurde Geistlicher mit mehreren
Domherrenstellen, war Abt von Thuyn (bei Lüttich) und starb als Hofkaplan des Papstes
Johannes XXII. 1318 in Avignon.
Der dritte Bruder, Graf Simon de Saumes, fiel als Parteigänger des französichen
Königs wie der Böhmenkönig Johann in der Schlacht von Crecy 1346 gegen die Engländer.
Lorettas jüngster Bruder Nikolaus, der bei der Erbteilung die Herrschaften Püttlingen
und Viviers erhielt, stand zeitweise auch in Frankreichs Diensten.
Die einzige Schwester Mechthilde heiratete den Grafen Jofried von Leiningen. Spätere
Beziehungen Lorettas zu ihren Geschwistern sind nicht bekannt, lediglich ein Besuch von
Nikolaus 1328 auf der Starkenburg ist bezeugt.
Loretta ist wie ihre Geschwister zweisprachig aufgewachsen ihre Mutter war Französin.Die Ehe Lorettas mit Heinrich von Sponheim; Aufenthalt in Herrstein und Wolfstein Loretta von Salm heiratete in das bedeutende Grafengeschlecht von Sponheim, über dessen frühe Geschichte, seine vornehme Herkunft, die Verwandtschaft mit hochadeligen Familien, seine Bindungen an deutsche Könige, seine Heiratspolitik, die Erbschaften und Erbteilungen H. Witte, Disselnkötter, W. Vogt und zuletzt umfassend A. Naumann-Humbeck gearbeitet haben.
Der Einfluß- und Herrschaftsbereich der Sponheimer bis zum 15. Jahrhundert Sponheimer geschrieben umfaßte Besitzungen und Gerechtsame im Mittelrhein-Nahegebiet, im Hunsrück, im Raum Birkenfeld und an der Mittelmosel, in Luxemburg, an der unteren Lahn und am Niederrhein.Ihre Beziehungen reichten bis in die Schweiz und nach Kärnten. Reicher Allodialbesitz im Rhein-Nahe-Moselraum in Verbindung mit weltlichen und geistlichen Lehen ermöglichten die Entwicklung zu einer "Landesherrschaft".
Dem Ausbau eines geschlossenen Territoriums wirkten starke Kräfte entgegen, die drei rheinischen Erzbistümer Köln Trier und Mainz, im 13. Jahrhundert auch Erbteilungen. Nach der endgültigen Abgrenzung 1234 in die von der Nahe geseheneVordere und Hintere Grafschaft Sponheim wurde die Burg Starkenberg (1328 erstmals Starkenburg genannt) über Enkirch an der Mosel hintersponheimischer Verwaltungssitz unter dem Grafen Johann 1. (1233-66). Die Starkenburg war für den Teil, der in der Enkircher Gemarkung lag, als Lehen dem Erzbischof von Trier aufgetragen; für die auf Trabener Bezirk befindliche Hälfte bestand ein Lehensverhältnis mit der Abtei Corvey.
In Enkirch hatten die Sponheimer, wie Disselnkötter nachgewiesen hat, schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts Eigenbesitz. Zu der sehr gestreuten Hinteren Grafschaft, die sich von der unteren Nahe über den Hunsrück bis zur Mittelmosel erstreckte, gehörten die Residenz Starkenburg mit den Moselorten Enkirch, Traben-Trarbach und Wolf, ferner die Irmenacher, Birkenfelder und Brombacher Pflegen, Dill, Herrstein, die sog. (Mettlacher) Abteidörfer, Allenbach, Winningen an der Untermosel und seit 1274 das Kröver Reich als Reichspfandgut.
Die Starkenburger behielten die Farben des rotsilbernen geschachten Wappens bei, während Johanns Bruder Simon von Sponheim-Kreuznach (Sitz: die Kauzenburg) die Farben in Blaugold änderte. Die Verbindung der Häuser Sponheim und Salm leitete am 6.10.1311 oder 1312 ein Ehevertrag ein, durch den Loretta dem Junggrafen Heinrich, dem Sohn des Grafen Johann II. von Sponheim-Starkenburg und der verstorbenen Katharina von Vianden, versprochen wurde. Für den in den lothringischen Erbhändeln verstrickten Vater Lorettas unterzeichnete Graf Johann I. von Saarbrücken.
Der Vertrag sah vor, daß die Ehe in drei Jahren vollzogen werden solle. In dieser Zeit hatte der Bräutigam jährlich 100 Pfund Heller, eine für die damalige Zeit stattliche Summe, für den Schmuck der Braut, die im väterlichen Hause blieb, zu geben. Die Trauung der 16-18jährigen Loretta mit dem fast doppelt so alten Erbgrafen Heinrich fand wie verabredet statt, wohl auch durch Prokura, vor dem 20. Januar 1315. Graf Johann II., der von 1290 bis 1324 auf Starkenberg regierte, und seine 2. Gemahlin Katharina von Ochsenstein/ Elsaß, eine Nichte König Rudolfs von Habsburg, wiesen dem jungen Paar als Wohnsitz und zum Unterhalt die Burg Herrstein mit Zubehör und den jährlichen Einkünften von 450 Pfund Heller an, dazu die der Abteidörfer und einiger Dörfer rechts der Nahe, endlich vier Fuder Wein, die Enkirch jährlich liefern mußte.
Am gleichen Tage vermachte Heinrich seiner jungen Frau dieses Heiratsgut Herrstein als Wittum und zur Nutznießung auf Lebenszeit. Die Brüder des regierenden Grafen, Heinrich und Gottfried, beide Geistliche, der erstere Propst in Maastricht und Aachen, der andere Domherr in Köln verzichteten auf ihre Erbrechte zugunsten des jungen Paares und begnügten sich mit Renten.
Auch die Braut brachte wenigstens auf dem Papiereine ansehnliche Mitgift in die Ehe: 2200 Pfund Metzer Pfennige versprach Lorettas Vater, Graf Johann I. von Salm. Infolge der dauernden Finanznöte kam das Salmer Zugelt, zahlbar jährlich in 420 Pfund kleinen Turnosen aus den Püttlinger Gefällen, Loretta nicht zugute, im Gegenteil, noch vor ihrem Lebensende luden ihr diese Anteile Probleme auf.Auch Lorettas Schwiegervater, obwohl nicht in solcher Finanzmisere wie der Obersalmer, konnte anläßlich der gleichzeitigen Vermählung seiner Tochter aus zweiter Ehe Blancheflor eine ähnliche hohe Mitgift nicht auszahlen, sondern mußte dafür Landbesitz verpfänden.
Von dem Junggrafen Heinrich ist aus der Zeit vor seiner Heirat mit Loretta nur wenig bekannt. 1294 und 1314 wird er als Miturkunder bei der Bestellung eines Himmeroder Mönchs auf die Starkenburg genannt. Dem Himmeroder Hof (Mönchhof) in Traben wurden dafür Abgabenfreiheit und ein Naturalienzuschuß gewährt. An dem Italienzug Kaiser Heinrich VII. von Luxemburg nahm Heinrich wohl teil. Bei dem Festmahl, das des Kaisers Bruder Erzbischof Balduin von Trier am 3. Weihnachtstag 1310 im Ambrosiuskloster zu Mailand gab, ist ein Heinrich von Sponheim eingeladen, der nur Lorettas späterer Gatte sein kann, da dessen Oheim Propst Heinrich erst 1312 zum Romzug stieß.
Der junge Heinrich soll auch in Italien kaiserlicher Hofrichter gewesen sein. Das Wappen der Neuvermählten zeigt das sponheimischstarkenburgische rotsilberne Schachfeld und die hakenförmig gegeneinander gebogenen silbernen Salme auf rotem Feld. Heinrich und Loretta bewohnten zunächst die Burg Herrstein, auf der Johann, vielleicht auch die jüngeren Söhne Heinrich und Gottfried geboren wurden. Die Söhne trugen die Leitnamen der Sponheimer Dynastie. Schon 1319 wurde Herrstein als Wohnsitz aufgegeben. Entweder bedrängten die vordersponheimischen Verwandten, die im Thronstreit zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen die habsburgische Partei ergriffen hatten, die Herrsteiner, oder der Herrsteiner Besitz konnte wirtschaftlich nicht gehalten werden. Dabei hatte Loretta noch im gleichen Jahr von ihrem Schwiegervater eine Jahresrente von 40 Kölner Mark aus den Wörresbacher Einkünften als Geschenk erhalten.
Den neuen Wohnsitz, Burg Wolfstein an der Lauter, stellte der Onkel Heinrich mit dem dazugehörigen Umland dem jungen Paar gegen eine Jahresrente von 1100 Pfund Heller zur Verfügung. Propst Heinrich hatte Wolfstein, das zum alten Königsgut um Kaiserslautern gehörte, 1312 von Heinrich Vll. wegen seiner Verdienste auf dem Romzug als Reichspfandgut empfangen. Vier Jahre lebte die junge Familie auf Wolfstein es war die alte Stauferburg, nicht die Stadtburg Neu_Wolfstein, als Heinrich im Alter von 40 Jahren starb. Ob er vom nichtsponheimischen Wolfstein aus Mitregent seines Vaters war, ist zweifelhaft.
Der Pfarrer des Dorfes Zweienkirchen nahe Wolfstein vernahm Heinrichs letzten Willen, ein ewiges Licht in der Pfarrkirche brennen zu lassen. Begraben wurde Heinrich II von Sponheim-Starkenburg neben seiner Mutter Katharina von Vianden im Cisterzienserkloster Himmerod in der Eifel. Die Familiengruft der Starkenburger Grafen befand sich vor dem Altar des hl. Bernhard im nördlichen Querschiff der romanischen Basilika. Von dem Grabstein Heinrichs ist eine Abbildung erhalten; sie stellt einen jungen, schlanken Mann mit Lockenhaar dar. Trithemius läßt in seinem romanhaft ausgemalten Spätwerk, den Hirsauer Annalen, den Junggrafen Heinrich noch während der Fehde Lorettas mit Balduin leben und sich auf einer Fahrt ins Heilige Land befinden.
Heinrich muß jedenfalls vor dem 11. Oktober 1323 gestorben sein, da an diesem Tag ein Familienrat über die Nachfolge in der Herrschaft und über die Zukunft Lorettas auf der Starkenburg zusammentrat, wohin die junge Witwe mit ihren drei unmündigen Söhnen von Wolfstein übergesiedelt war. Der alte Graf Johann II., der seinen Sohn um ein Jahr überlebte, hatte außer seinem Sohn aus zweiter Ehe, Pantaleon, die Jülicher und Sayner Grafenverwandten eingeladen, außerdem seinen vornehmsten Lehnsmann, Johann von Braunshorn, den ehemaligen kaiserlichen Hofrichter. Anwesend waren auch die Freunde Eberhard von Randeck und Volker von Starkenburg.
Nach erneuten Verzichtserklärungen der geistlichen Oheime erhielt dieses Mal Lorettas Schwager Pantaleon mehr als zwei Jahre zu vor zugesprochen, nämlich den Halbteil von Burg Dill, die wie die andere Stammburg immer gemeinsamer Familienbesitz blieb, sowie 350 Pfund Heller und je fünf Fuder Wein aus Trarbach und Enkirch. Ihm wurde allerdings auferlegt, Geistlicher zu werden, wozu die Pfarrpfründe in Nördlingen und ein Kanonikat in Straßburg Voraussetzungen schufen. Propst Heinrich erließ zudem Loretta und den Kindern großmütig alle Schulden aus dem Wolfsteiner Aufenthalt und verzieh auch das ihm dort angetane, nicht genannte Unrecht.
Nach dem Tod des Altgrafen Johann II. im März 1324 und seiner Grablegung in Himmerod gelobte Loretta, die Himmerod zugedachten Legate ihres Mannes und ihres Schwiegervaters für ein Jahrgedächtnis (40 bzw. 60 Pfund Heller) auszuzahlen und auch die beiden der Abtei zufallenden Leibpferde Johanns II. mit 40 Pfund Heller auszulösen. Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985
Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985
Verwandte Themen
Gräfin Loretta von
Sponheim-Starkenburg,eine außergewöhnliche Frau des 14. Jahrhunderts
Die ersten Regierungsjahre der Gräfin Loretta
Die Gefangenschaft Balduins auf der Starkenburg, der Sühnevertrag
und die Freilassung
Gräfin Loretta im Kirchenbann: die Reise nach Avignon
Die Kirchenbuße in der Heimat
Das Ende der Regentschaft, Loretta Herrin von Frauenberg
Lebensausklang
Nachwirkung der Gräfin Loretta bis zum heutigen Tag
![]()
![]()