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Gräfin Loretta von Sponheim-Starkenburg, eine außergewöhnliche Frau des 14. Jahrhunderts |
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Günther Böse
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| Grevenburg |
In einer Studie über die Frau im Mittelalter hat jüngst Edith Ennen die Stellung der Frau im politischen Bereich beleuchtet. Als Beispiel dafür, daß Frauen sich auch in der im Mittelalter außerordentlichen Rolle einer Landesherrin und Lehnsinhaberin durchzusetzen verstanden, führt sie die Gräfin Loretta von Sponheim an.
Diese, jung Witwe geworden und Mutter dreier unmündiger Kinder, bewährte sich von 1323 bis 1331 als kluge und tüchtige Regentin der Hinteren Grafschaft Sponheim. Durch die wagemutige Gefangennahme des bedeutendsten Reichsfürsten ihrer Zeit, des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg, ging diese Kleinfürstin in die Geschichte ein. Die Nachwelt hat seit dem gelehrten, aber auch erfindungsreichen Abt Johannes Trithemius, der 170 Jahre nach dem Starkenburger Bischofsfang schrieb, die unerhörte, nach den Vorstellungen des Mittelalters frevelhafte Tat mannigfaltig ausgeschmückt.
In Prosa und Poesie ist die Gräfin Loretta gefeiert worden, bevor überhaupt die historische Forschung ihrem Leben nachspürte. Den ersten Versuch einer wissenschaftlichen Lorettavita unternahm vor der Jahrhundertwende der Birkenfelder Gymnasialdirektor Friedrich Back, der Sohn des gleichnamigen Kastellauner Pfarrers und Nestors der Hunsrücker Geschichtsschreibung.
Als der junge Back von 1845 bis 1848 das Trarbacher Progymnasium besuchte und bei seinem Onkel, Rektor Daniel Stäffler, wohnte, beschäftigte erstmals die Gräfin Loretta die Phantasie des Gymnasiasten. Back widmete sich später in Birkenfeld ernsthaft der Geschichte Lorettas, an die ihn ihr in der Nähe gelegener Witwensitz, die Frauenburg, erinnerte.
Frühere Forschungen des Vaters wiesen ihm den Weg. 1878 fand er bei Archivstudien in München die Quellen zur Kirchenbuße der Gräfin. Neuere Dichtungen, in denen die Persönlichkeiten Balduins und Lorettas durch ein Liebesverhältnis verzeichnet wurden, reizten Backs Kritik. Er veröffentlichte wenige Jahre vor seinem Tode (t 1901 ) seine Forschungsergebnisse in einem Vortrag im Literarischen Verein in Birkenfeld.
Dieser 19seitige Lebensabriß Lorettas ist erst 1583 aus dem Nachlaß Backs herausgegeben worden. Der TrabenTrarbacher Gymnasialprofessor Heinrich Disselnkötter setzte das Werk Backs fort. Es ist Disselnkötters Verdienst, die historische Existenz des bekanntesten Mitglieds des sponheimischen Grafengeschlechts auf Grund langjähriger Quellenstudien, die Backs Erkenntnisse ergänzten und erweiterten, ins richtige Licht gesetzt und ein umfangreiches Lebens- und Zeitbild aus dem 14. Jahrhundert geschaffen zu haben, das bis heute Gültigkeit hat.
Disselnkötters Buch über die Gräfin Loretta erschien 1940 und bildete den krönenden Abschluß seiner Forschungen zur Geschichte der Sponheimer an der Mosel, die er 1899 mit der Studie "Die Grevenburg" begonnen hatte.
Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985
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