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Die letzten Kriegstage des Zweiten Weltkrieges in Bernkastel-Kues |
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10. März
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| nach der Besetzung von Wehlen amerik. Soldaten mit franz. Kriegsgefangenen |
Die Front rückt näher:
Die letzten Schreckenstage des Krieges beginnen. Der Volkssturm wird in Bernkastel-Kues
mobilisiert, alle Männer vom Jahrgang 1897 an. Ihre besondere Aufgabe: alle Panzersperren
vor den Ortseingängen zu schließen und zu besetzen. Zitternd sitzt die Bevölkerung in
Kellern, Bunkern und Stollen. Neben den Einheimischen befinden sich in der Stadt noch
zusätzlich über 2500 Evakuierte, vornehmlich aus der Stadt Trier. Die Moselbahn stellt
ihren Betrieb ein. Bis zu diesem Tag hat sie unter schwierigsten Bedingungen den Verkehr
aufrechterhalten. Wittlich wird von Amerikanern eingenommen.
11. März
Ein Sonntag; in der Morgenfrühe gegen 4.50 Uhr wird die Moselbrücke von
deutschen Truppen gesprengt, zugleich erloscht das elektrische Licht in der Stadt. Die
Panzersperre zwischen dem Hausanwesen Nr. 51-52 am Nikolausufer wird vom Kueser Volkssturm
geschlossen, die die ,,Amis" aus Richtung Lieser kommend aufhalten soll.
Gleich die ersten Geschosse fordern fünf Menschenleben vor dem Felsenkeller des Doktorweinberges - Hinterm Graben: Karl Huwer (56), Matthias Hermann (59), Nikolaus Bach (68), Manfred Edringer (8) und Gertrud Lauterbach aus Neumagen (31).
Das Canisius-Haus - die heutige Jugendherberge - hinter der Burg Landshut, leidet besonders stark unter dem ständigen Beschuß. Es dient seit Dezember 1944 als Ausweichlazarett des Trierer Marienkrankenhauses.
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| Zerstörte Moselbrücke in Wehlen |
Mehrere Einschläge in die Burgruine Landshut wo sich eine deutsche Geschützstellung und Radar-Station befindet.
Am späten Nachmittag des 12. März wird eine Kampfeinheit des 304. US-Inf.-Reg. nach Wehlen in Marsch gesetzt, mit dem Auftrag, die Wehlener Brücke im Handstreich zu nehmen und einen Brückenkopf auf der Hunsrückseite zu bilden.
Sie erreichen Wehlen um 20.30 Uhr nach beschwerlichem Marsch. Funkspruch: ,, Gegen 3.15 Uhr erreicht Kompany I die Brücke genau zu dem Zeitpunkt, als sie in die Luft gesprengt wird." Warum die Amerikaner von 20.30 Uhr bis nach Mitternacht warteten, bevor sie die Brücke in Besitz nehmen wollten, ist unklar.
13. März
Am Morgen des 13. März müssen sich die Amerikaner allerdings aus
Wehlen zurückziehen; starker Widerstand. Vermutlich sind die US-Soldaten erst gegen
Morgen von den deutschen Truppen bemerkt und gleich unter Feuer genommen worden.
In der Nacht zum 13. März, der Kueser Volkssturm löst sich auf hat ein amerikanischer Späh- und Stoßtrupp die Straßensperre am Nikolausufer lautlos weggeräumt. Den deutschen Vorsprung in der genauen Ortskenntnis versuchen die Amerikaner nach Kräften durch ihre Luftwaffe auszugleichen. Neben den Jabos sind auch Aufklärungsflugzeuge ständig in der Luft.
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| gesprengte Mosel Brücke In Bernkastel-Kues mit americ.Pontonbrücke |
Am 13. März fliegen Artilleriebeobachter im Bereich der 76. Inf.-Div., die auf breiter Front zur Mosel vorrückt, nicht weniger als 17 Einsätze.
14. März
Am frühen Mittwochvormittag rückt eine amerikanische Kampfgruppe
in Kues ein, während eine zweite Inf.-Kompanie auf den Höhen über dem Ort in
Wartestellung liegt. Widerstand in Kues; Funkspruch: ,,Gegen 11.30 Uhr E- u. L. Company in
Kues. Bekommen schweres 10,5-cmund 8,8-cm-Artilleriefeuer. Wir müssen auf die Dunkelheit
warten und in Verteidigungspositionen zurückziehen. Schweres MG- und Gewehrfeuer von der
anderen Seite des Flusses aus Bernkastel. Leichte Verluste."
Um 13.05 Uhr: ,,Kues noch nicht gesäubert. Viele Scharfschützen. Wir erhalten immer noch Feuer von der anderen Seite." Die deutsche Artillerie nimmt Kues immer wieder unter Feuer. 10,5-cm-Geschütze schießen in den Ort. Straßengefechte an der Einmündung Cusanus- zur Arndtstraße; ein deutscher Kampftrupp wird völlig aufgerieben.
Am Abend des 14. März ist das ganze linke Moselufer mit drei Ausnahmen in amerikanischer Hand: In Kues, Minheim und Traben halten noch deutsche Nachhuten schmale Brückenköpfe.
Mangelnde Schutzmöglichkeiten für die Patienten im Hilfs-Lazarett Canisius-Haus und das anhaltende Artilleriefeuer - nun schon vier Tage - auf den Burgberg bewegt zwei Franziskanerinnen, Schwester Bernardis und Mechthildis, am Nachmittag des 14. März den mutigen Gang mit einer weißen Flagge an einem Besenstiel durch die Fronten an das andere Ufer zum amerikanischen Befehlsstand in Platten, um eine Einstellung des Artilleriefeuers zu erwirken. Mit einem Fischernachen setzen sie in Begleitung zweier hilfsbereiter Bernkasteler gegen 14.00 Uhr über die Mosel.
15. MärzIn Graach werden 35 deutsche Soldaten gefangengenommen. Funksprüche der Kompanien, die in Bernkastel einrücken: ,,FKomp. setzt um 20.15 Uhr in Wehlen über. 21.00 Uhr Spitzenkräfte in Bernkastel. Einheit traf den Bürgermeister von Bernkastel, der die Truppe anführt. Zivilisten haben die Straßensperre beseitigt. Kein Widerstand." ,,23.35 Uhr: Eine ganze Komp. jetzt in Bernkastel, sende Spähtrupps nach Süden und Südosten aus."
Sofort nach der Besetzung der Doktorstadt macht das 304. US-Inf.-Reg. Vorstöße nach Monzelfeld und Veldenz, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Verbände des 13. und 80. Korps der 7. deutschen Armee haben sich schon weiter zurückgezogen, die Mosel weit hinter sich gelassen. Der organisierte deutsche Widerstand ist völlig zusammengebrochen. Für Bernkastel-Kues ist der unglückselige II. Weltkrieg zu Ende.
Quelle: Bernkastel-Kues mit seinen Stadtteilen Bilder aus vergangenen Tagen, Heinz Grundhöfer
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