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Vogt Nikolaus IV von Hunolstein, der Streitlustige

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Burgruine Hunolstein November 1998

In der Reihe der Träger dieses Namens aus der Stammlinie rangierte er als Nikolaus IV., geboren um 1364, gestorben Ende 1431 oder Anfang 1432. In seiner Person und seinem Leben spiegelt sich die ganze unruhige Zeit des beginnenden 15. Jahrhunderts, mit ihrer Spannung vor allem zwischen dem Ritterstand, der seine ursprüngliche Bedeutung für das Militär- und Verwaltungsgefüge des Reiches immer mehr verlor, und dem neuen Element der Städte mit der Wirtschaftskraft ihrer Bürger. Diese Spannung wird in dem überhand nehmenden Fehdeunwesen, oder schlicht Raubrittertum, sichtbar. Die Schwäche der Königsgewalt seit dem Tode Karls IV. förderte wiederum die Aktivitäten der bedeutenderen Reichsstände, insbesondere der Kurfürsten, die durch das Fehlen einer kräftigen Reichsgewalt gezwungen waren, der Unsicherheit im Innern von sich aus zu steuern, vor allem durch Landfriedensbünde und -gesetze.

Wie sein Vater Nikolaus III., so gehört auch Nikolaus IV. zu den fehdelustigen Kleinadligen, die im Mittelrheingebiet und im lothringischen Raum eine ständige Quelle der Unsicherheit für Handel und Verkehr darstellten. Im Verlauf einer solchen Fehde war Nikolaus IV. schon einmal mit der Reichspolitik in Verbindung gekommen, allerdings in wenig rühmlicher Weise. Es handelt sich um den »Krieg« gegen die Burgen Altenwolfstein und Reipoltskirchen. Burg Altenwolfstein im Kreis Kusel, eine ehemalige Reichsfeste, war gegen Ende des 14. Jahrhunderts zu einem Raubritternest abgesunken. Gegen sie und andere Burgen, die den sicheren Handel auf der Straße Oppenheim - Metz bedrohten, richteten sich mehrere Landfriedensbündnisse der rheinischen Kurfürsten. Im Sommer des Jahres 1400 hatte einer der auf Altenwolfstein ansässigen Ganerben, Ritter Johann Wolf von Spanheim, Vogt Nikolaus vor den Truppen des Herzogs von Lothringen »enthalten«, d. h. in Schutz gehalten. Die Burg war daraufhin von Herzog Karl II. und Truppen seines Schwiegervaters Ruprecht von der Pfalz, belagert worden.

Diese Ereignisse fallen in eben jene Tage, in denen sich die vier rheinischen Kurfürsten in Oberlahnstein versammelten, dort König Wenzel für abgesetzt erklärten und am 21. August 1400 in Rhens einen der ihren, nämlich Pfalzgraf Ruprecht, zum deutschen König wählten. Eine der ersten Handlungen des neuen Königs war, am Tage nach der Wahl von Bacharach aus die Städte Frankfurt und Mainz aufzufordern, die vor Altenwolfstein liegenden Belagerer durch die Absendung von Schützen zu verstärken. Ruprecht mußte diese Fehde schnellstens beenden, da er in seiner noch ungesicherten Position auf seine Truppen angewiesen war. Tatsächlich kam ·dann am 28. August ein Vergleich zustande, in welchem die Ganerben von Altenwolfstein zur Abtretung eines Viertels des Schlosses und des dazugehörigen Besitzes und zur Aufnahme eines pfälzischen Amtmanns gezwungen wurden. Zum eigentlichen Abschluß kam die Fehde jedoch erst Monate später. Am 27. März 1401 söhnten sich Vogt Nikolaus von Hunolstein, seine Gemahlin Ida von Erbach und deren Sohn, Eberhard von Hohenfels, mit Herzog Karl von Lothringen wieder aus. Hier sind einige genealogische Angaben notwendig. Nikoiaus hatte 1391 in erster Ehe Metze ( = Mathilde) von Salm geheiratet, die am 12. November 1397 letztmalig mit ihm urkundet. In der genannten Urkunde vom 27. März 1401 erscheint dann Ida, Tochter des Grafen Eberhard VIII., Schenken zu Erbach (im Odenwald), erstmalig als Gemahlin des Vogtes. Sie war ihrerseits bereits mit dem Grafen Konrad von Hohenfels verheiratet gewesen. Durch sie gelangte die Herrschaft Hohenfels, mit Sitz auf Burg Reipoltskirchen (im Odenbachtal bei Kusel) an die Hunolsteiner.

Die Sühneurkunde nennt den Grund der Fehde des Vogts mit Herzog Karl von Lothringen. Es handelte sich um Schuldbriefe, die die Hunolsteiner von den Lothringer Herzögen erhalten hatten und die wohl nicht eingelöst worden waren. Es ist bezeichnend für das Instrument der

Fehde im Spätmittelalter, daß ein kleiner Adliger es wagte, gegen einen mächtigen Herrn, dessen Schwiegervater soeben römischer König geworden war, einen Kleinkrieg zur Durchsetzung seiner Ansprüche zu führen. Allerdings endete dieses Unternehmen nicht gerade glücklich für den Hunolsteiner, da die Lothringer die Burg Reipoltskirchen eingenommen hatten.

Im Sühnevertrag erhielt Vogt Nikolaus die Burg zwar wieder zurück, mußte sich jedoch verpflichten, dem Herzog für erlittenen Schaden, ganz wie im Falle von Altenwolfstein, ein Viertel des Schlosses und der dazugehörigen Dörfer und Rechte abzutreten. Die Verwaltung dieses Anteils konnte der Vogt jedoch selbst übernehmen, d. h. er wurde als Amtmann des Herzogs eingesetzt. Die strittigen Schuldbriefe wurden zur Entscheidung in die Hände König Ruprechts gegeben.

Durch diese Vorgänge war Vogt Nikolaus in ein neues Verhältnis zu Herzog Karl getreten, und wir finden ihn in der Folgezeit mehrfach in dessen Diensten, so in den Auseinandersetzungen mit den Grafen von Nassau.

Ein ähnliches Umschwenken vom Gegner zum Helfer zeigt sich auch im Verhältnis des Vogtes zur Stadt Köln. Damit kehren wir wieder zu unserem Ausgangspunkt, den Hussitenkriegen, zurück.

Eine Aufstellung des Jahres 1397 nennt unter den Rittern, die die Stadt Köln bekämpften und ihrem Handel durch die Ausplünderung von Kaufleuten großen Schaden zufügten, auch Nikolaus von Hunolstein. Ebenso erscheint er als Aussteller unter den 160 Fehdebriefen, die der Stadt allein im Jahre 1403 zugingen. Köln, damals mit etwa 40000 Einwohnern die größte Stadt im Reich, hatte nicht nur unter den Fehden des Kleinadels zu leiden, sondern lag auch in ständiger Auseinandersetzung mit dem Erzbischof, der seine Territorialgewalt auf das reiche Gemeinwesen auszudehnen suchte.

Als Ende 1417 ein bewaffneter Konflikt mit Erzbischof Dietrich II. von Mörs bevorstand, nahm die Stadt eine Anzahl von Söldnern in ihren Dienst. An die Spitze dieser Truppe wurde der ehemalige Fehdegegner, Vogt Nikolaus von Hunolstein, gestellt. Dieser verpflichtete sich am 25. November 1417, der Stadt drei Jahre lang mit acht Pferden und acht Helfern zu dienen, dazu noch eine Anzahl Gleven anzuwerben.

Im darauffolgenden Jahr überbrachte der Vogt im Auftrag der Stadt, in Begleitung von zehn Söldnern, dem Erzbischof ein Schreiben, das die Stadt bei König Sigismund erwirkt hatte und worin Dietrich von Mörs aufgefordert wurde, jede Feindseligkeit gegen Köln zu unterlassen.

Diese Mission Hunolsteins konnte dessen Angriffe jedoch nicht verhindern. Wie anfangs erörtert, hat Nikolaus dann die Führung der Kölner Söldner für den Hussitenfeldzug 1422/23 übernommen. Sein diesbezüglicher Vertrag mit der Stadt vom Oktober 1422 sah einen Monatssold von 232 Gulden vor. Um die Kosten für das Unternehmen aufzubringen, hatte die Stadt einmal in der Ratskapelle die sogenannte Hussitenkiste aufgestellt, in der Spenden der Bürgerschaft gesammelt wurden, zum anderen eine Steuer, die Zapfakzise, auf in die Stadt eingeführten und dort ausgeschenkten Wein gelegt. Wie schon erwähnt, scheiterte der Feldzug, ohne daß es zu einer entscheidenden Begegnung gekommen wäre, das Heer kehrte nach Deutschland zurück und wurde wieder aufgelöst.

Nach diesem Mißerfolg weigerte sich Köln im Jahre 1423 wiederum, sein Kontingent zum Hussitenkrieg zu stellen. In den folgenden, ebenfalls verlustreichen Feldzügen wird eine Teilnahme des Hunolsteiners nicht erwähnt. Erst im Jahre '1431 erscheint er nochmals in Zusammenhang mit der Hussitenfrage. Man hatte auf einem erneut nach Nürnberg einberufenen Reichstag energischere Maßnahmen in die Wege geleitet und eine neue Heeresordnung verabschiedet.

Um darüber weiter zu beraten, beriefen die Städte zum 29. April '1431 eine eigene Versammlung nach Speyer ein. In diesem Schreiben werden auch Vorschläge für das Amt des "gemeinen houptmans" des städtischen Teilheeres gemacht, und unter den vier Namen, die genannt werden, findet sich wieder »der vogt von Honolstein«. Nikolaus scheint jedoch in dieser Funktion an dem Feldzug nicht teilgenommen zu haben. Der besagte Speyrer Städtetag beschloß, die auszuhebenden Truppen den Hauptleuten der Städte Ulm und Köln gemeinsam zu unterstellen. Im Falle Ulms handelte es sich um Heinrich von Stöffeln, der als Feldhauptmann des schwäbischen Bundes schon 1426 und 1427 in Böhmen gekämpft hatte, von Kölner Seite war aber nicht mehr Vogt Nikolaus benannt worden, sondern Graf Wilhelm von Loen, Herr zu Blankenheim.

Die Hussitenzüge bildeten nur eine Episode im Leben dieses Hunolsteiners. Sein eigentliches Betätigungsfeld waren die zahlreichen Erbstreitigkeiten und Kämpfe im rheinischen Raum, von denen hier nur die langjährigen Fehden gegen die Städte Metz und Speyer genannt sein sollen. Die Kehrseite dieser Händel bilden im Urkundenbestand die zahlreichen Akten über Verkäufe und Verpfändungen als Geldbeschaffungsversuche. So konnte dieser Beitrag nur skizzenhaft die unruhige Persönlichkeit des Vogtes Nikolaus von Hunolstein umreißen.

Quellen: Jahrbuch der Kreise Bernkastel Wittlich 1977, Klaus Peter Decker

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