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Hochwasser in den 20er Jahren in Bernkastel

Der Krieg war beendet und hatte in vielen Familien seine leidvollen Spuren hinterlassen. Groß war die wirtschaftliche Not und dazu nun noch die Jahre, in denen die hochgehenden Fluten der Mosel zusätzliche Verluste für die Bevölkerung der Stadt und des ganzen Moseltales verursachten.

Schon 1918 kam die erste Flutwelle, die aber im Januar 1920 weit übertroffen wurde.

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Moselhöchststand 1920

Infolge der außerordentlichen Regenfälle in den Tagen vom 9. - 14. Januar 1920 waren 96,8 Liter Regen je qm niedergegangen hatte die Mosel in Bernkastel-Kues den höchsten Pegelstand von 8,52 m erreicht.

Dieser Stand war nur noch durch die Hochwasser der Jahre 1572, 1651, 1740 und 1926 übertroffen worden. Im Jahre 1926 betrug der Höchststand 8,63 m.

In der Nacht vom 10. auf den 11. Januar setzte das Steigen der Mosel ein. Wild brauste ein orkanartiger Sturm über das Land, der stellenweise von wolkenbruchartigem Regen begleitet war und das Unglück noch verschärfte. Durch den Sturm wurden große Schäden an Häusern, Bäumen, Fernsprech- und Elektrizitätsleitungen angerichtet. Der am 8. Januar eingetretene Witterungsumschlag brachte die Schneemengen auf den Höhen zur Schmelze, die mit den Tag und Nacht anhaltenden Regenfällen die Bergbäche zu reißenden Flüßchen und die Flüsse zu gewaltigen Strömen anschwellen ließ.

Am 11. 1. es war ein Sonntag , stieg die Mosel um 3 Meter und stündlich um 10 Zentimeter. Montags mußte der Verkehr auf der Reichs- und Moselbahn eingestellt werden. Nachdem das Wasser am Montagabend einen höheren Stand als 1918 erreicht hatte, ging es im Laufe der Nacht und am Dienstag um 50 Zentimeter zurück, um aber dann in der Nacht vom 13.-14. Januar wieder erneut zu wachsen.

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Wasser aus dem Tiefenbach in der Römerstraße

In der gleichen Nacht brach der Tiefenbach bei der Buchhandlung Engel aus seinem Bett. Reißend stürzten sich die Wassermassen durch die alte Römerstraße in die Mosel- und Schwanenstraße. Am 14. Januar standen die schmutzig gelben Fluten am Gestade bis zum Kaufhaus Astor, zu beiden Seiten der Michaelskirche bis zur letzten Stufe des Seitenportals und umspühlten die Stufen des Hochaltars.

Die damalige Kaiserstraße war von Britannieneck bis zur Gastwirtschaft Binz und Franz Julius Thomas überschwemmt. Unter Benutzung eines Rollfuhrwagens wurde zur Aufrechterhaltung des Verkehrs ein Notsteg errichtet. Im Stadtteil Kues standen die Wassermassen rings um die Villa Thanisch bis zum Hause des Weingutsbesitzers F. W. Erz.

Am 14. Januar traf nachmittags die Hiobsbotschaft ein, daß die Mosel in weiterem

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Moselstraße nach Hochwasser

sehr raschem Steigen begriffen sei. In der Nacht vom 14. auf den 15.Januar nahm das Hochwasser eine solche Ausdehnung an, daß am 15. Januar der Stand vom Jahre 1882 um 40 Zentimeter überschritten war. Die ganze Unterstadt stand bis zur Römerstraße unter Wasser.

Kirchhofstraße, Moselstraße, Schwanenstraße, Alte Römerstraße und Kaiserstraße konnten nur mit Nachen erreicht werden. In der Kaiserstraße fuhr dauernd ein Boot nach dem Markt als einzige Verbindung zwischen beiden Stadtteilen.

Die Karlstraße war zu einer lebhaften Verkehrsstraße geworden, denn über sie wickelte sich der ganze Verkehr nach den der Mosel aufwärts liegenden Orten ab. In der Rathausschenke hatte die Post einen Notbetrieb eingerichtet, da das Wasser selbst in den hochgelegenen Räumen des Postamtes stand. Der Verkehr mit der Außenwelt war nur über Morbach oder über das Cueser

Plateau mit Wagen oder zu Fuß nach Wengerohr möglich.

Bös mitgenommen wurden die Häuser im Stadtteil Kues und am Gestade, in denen das Wasser stellenweise meterhoch die Wohngeschosse überflutete. Am früheren Pulverturm reichte das Wasser bis zur Bahnlinie heran. Die Straßen nach Andel und Graach waren über 2 Meter hoch überschwemmt.

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Hochwasser 1920 in Kues

Am 15. Januar ging das Hochwasser in den Morgenstunden erst ganz allmählich zurück, nachdem es seinen Höchststand von 8,52 erreicht hatte. In der alten Römerstraße lag der Schwemmsand 50 - 60 Zentimeter hoch. Am Gestade hatten die Fluten riesige Löcher aufgewühlt. Wochenlang dauerte es, bis die letzten Schäden beseitigt waren.

Ein Opfer des verheerenden Hochwassers wurde die im Jahre 1915 errichtete Wehlener Brücke. Unter dem Druck der gewaltigen Fluten stürzte die Betonbrücke in den frühen Morgenstunden des 15. Januar zusammen. Ein nur wenige Sekunden anhaltenden Gepolter und die beiden großen Betonbogen waren in den wilden Fluten verschwunden. Der Schaden, der die Gemeinde traf, war gewaltig.

Besonders gefährlich für die Stadt war das Hochwasser im November 1924.

Die Mosel stand bereits in den tiefergelegenen Straßen der Stadt. Anhaltende starke Regenfälle im nahen Hunsrückgebiet hatten den Tiefen- und Kallenfelsbach in reißende Gebirgsbäche verwandelt, so daß das mit geführte Geröll das Bachbett unter den Häusern vom Textilhaus Lauer bis zur

Buchhandlung Engel verstopfte. Am Hause Stütgen (heute Sansibar) suchte sich das nach fließende Wasser einen Ausweg. Der gewaltige Druck von unten riß den Kanaldeckel mit seinem eingemauerten eisernen Rahmen aus dem Pflaster und in einer hohen Fontäne quoll das Wasser aus dem unterirdischen Gewölbe und goß als reißender Bach durch die Alte Römer- und Moselstraße und hinterließ große Schäden.

Den höchsten Wasserstand aber erreichte die Mosel im Jahre 1925, als die Fluten auch noch den Pegelstand von 1920 überstiegen.

Quelle: Festschrift Freiwillige Feuerwehr Festbuch 1976

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