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Zeltingens alter Nachtwächter

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Harry Nachtwächter von Zeltingen (Ölgemälde heuteim Besitz der Gemeinde Zeltingen-Rachtig)

Eine der volkstümlichsten Gestalten Zeltingens ist heute noch der ehemalige Nachtwächter Harry, dessen Erinnerung durch ein Bild des Graacher Malers G. Velten wachgehalten wird. Mit den Standesinsignien Hellebarde, Horn und Amtsblatt ist er im Amtsgebäude des Ortes zu sehen.

Wer war dieser volkstümliche Mann? Geboren wurde Harry im Jahre 1764 in Trier. Er zeigte in seiner Jugend wenig Neigung für einen seßhaften Beruf. Frei wollte er sein, ohne die einengende Fessel einer geregelten Arbeit. Darum wurde er Soldat. So konnte er sein Freiheitsverlangen stillen und, den damaligen Verhältnissen entsprechend, nach Lust und Laune Herrn und Platz wechseln. Harry machte davon reichlichen Gebrauch. Zuletzt finden wir ihn in französischen Diensten.

Als sich die Franzosen um 1790 Trier näherten - Harry war unter ihnen - wurde er von Heimweh erfaßt und flüchtete. Sein Drang nach Abenteuern war gestillt; er wurde seßhaft.

Die Liebe führte ihn nach Zeltingen, wo eine hübsche Witwe sein Herz entflammte. Bald war der Bund fürs Leben geschlossen, und der gewandte Mann fand sich schnell in seiner neuen Heimat zurecht. Die Übertragung von zwei öffentlichen ;Ämtern - er wurde Gemeindediener und Nachtwächter - zeugt von dem Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde.

Bis in sein hohes Alter versah Harry gewissenhaft seinen Dienst. Pünktlich rief er die Stunden aus, sah er nach dem Rechten. Daß er auf seinen nächtlichen Gängen mancher Schelmerei der jungen Burschen ausgesetzt war, nimmt nicht wunder.

Dafür zog sein wachsames Auge auch manche Heimlichkeit ans Licht, nicht immer zum Vorteil der Beteiligten.

Es ist die Zeit der Weinlese. Trotz der vorgerückter Stunde herrscht noch reges Treiben allerwärts, als Harry seine erste Runde macht. Die Luft ist erfüllt vom Mostgeruch, in den Kelterhäusern prüfen die Alten die Mostgewichte, scherzt die Jugend. ,,Hört, ihr Leute, und laßt euch sagen, die Glock hat elf geschlagen", ruft Harry und stapft weiter.

Ein Licht ums andere verloscht, die Stille der Herbstnacht kommt über das Dorf. So recht die Zeit für Heimlichkeiten, Das denken auch zwei junge Burschen, die zur Mosel huschen, ihre Bottiche mit Wasser füllen und wieder verstohlen zurückschleichen.

Harry hatte den Vorgang beobachtet. Er foIgt den beiden, die jetzt in ein Kelterhaus verschwinden. Sie hatten ihrem geizigen Vater einige Bottiche Most verkauft, um Geld für die Martinskirmes zu bekommen. Moselwasser sollte den Verlust wettmachen. Aber, o weh! Ein mitgeschöpfter Fisch verstopfte den Trichter, wodurch das Auffüllen nicht ohne Verzögerung abging und Harry den Vater auf das Treiben seiner Söhne aufmerksam machen konnte.

Ein Donnerwetter hagelte auf die Sünder herab, und als der jüngste Sohn, Barthelmus mit Namen, den Alten hinters Licht fuhren wollte, rief dieser: ,,Warte, ich werde dir schon zeigen, wo Barthel den Most hergeholt hat." So hatte Nachtwächter Harry einmal eine ,,Weinverbesserung" verhindert und weiterhin zu einem geflügelten Wort beigetragen.

Quelle. Heimatkalender Bernkastel 1957J. D.

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