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Unterschlupf im Felsenkeller Mitte März 1945 |
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| US-Soldaten 1945 vor Wehlen |
Über die Tage Mitte März 1945 in Bernkastel-Kues gibt Bankdirektor
Hanny Fritz Auskunft:
,,Vorstellungen der Bevölkerung (durch mich) bei dem Militärbefehlshaber, von der
aussichtslosen Verteidigung der Stadt, die bereits sehr stark beschädigt war, Abstand zu
nehmen, blieben erfolglos, auch dann noch, als dargelegt wurde, daß durch die Einrichtung
eines Beobachtungspostens in dem Gebäude der Deutschen Bank sowie die Aufstellung von MG
in unmittelbarer Nähe und eines Granatwerfers das feindliche Feuer auf den an dem Weg zur
Burg gelegenen Luftschutzraum, in dem sich ca. 400 Zivilpersonen, meist Frauen und Kinder,
befanden, gelenkt werden mußte.
Das stellte sich schon bald als Tatsache heraus, als sich die feindlichen Granaten in einem gewaltigen Bombardement tagelang über der Stadt entluden, besonders stark aber in der Schanzstraße und deren Umgebung niedergingen und größte Schäden an Hab und Gut anrichteten. Der Aufenthalt in den Unterkünften gestaltete sich in den Tagen zu einer physischen und seelischen Qual höchsten Ausmaßes. Während meine Tochter mit ihrem sechs Monate alten Töchterchen mit anderen Bekannten in dem als Luftschutzraum hergerichteten Felsenkeller der Fa. Deinhardt & Co. Unterschlupf gesucht hatte, hatte ich mit meiner Frau in dem früheren Bierkeller an der Straße zur Burg, dem ich wegen der Nähe unseres Bankgebäudes den Vorzug gegeben hatte, Schutz gesucht. In diesem Unterkunftsraum befanden sich während der Tage der Beschießung der Stadt ca. 500 Zivilpersonen, meist Frauen und Kinder, darunter auch eine Anzahl Säuglinge.
In der Annahme, daß bis zum Einzug der Amerikaner in die Stadt nur wenige Tage vergehen würden, hatte man sich nur für kurze Zeit mit Lebensmitteln versorgt. Schon bald entstand ein großer Mangel, vor allem für die Versorgung der Kleinkinder. ,, ln dieser Situation, so Hanny Fritz weiter ,,entschloß ich mich, einen Notschrei in Gestalt einer Adresse an den Ortskommandanten zu richten, die außer der meinigen noch die Unterschriften von Herrn Förster Schell und Herrn Degen trug.
In diesem Schreiben versuchten wir dem Befehlshaber klarzumachen, daß die Zustände im Unterkunftsraum, besonders in hygienischer Hinsicht, unhaltbar geworden seien und legten ihm die Frage vor, ob unter diesen Umständen eine weitere Verteidigung der bereits zum größten Teil zerstörten Stadt noch Wert hätte, wenn andererseits die Bevölkerung zugrunde gehen sollte. Wie ich nachträglich hören mußte, habe ich mir als Unterzeichner dieses Schreibens das Mißfallen des Kommandanten zugezogen, der dieses als Defaitismus auslegte.
Dabei spotteten die Zustände in dem Luftschutzraum, der nicht einmal über einen Abort verfügte, jeder Beschreibung. Da die Insassen in den letzten Tagen den Unterkunftsraum wegen der ständigen Gefahr nicht mehr verlassen konnten, waren sie gezwungen, ihre Notdurft in dem 15 Meter langen Eingang zum Unterkunftsraum zu verrichten, wo Männer, Frauen und Kinder sich oft nebeneinander niederlassen mußten. Ein toter Soldat, der durch Granatsplitter vor dem Luftschutzraum umgekommen war, lag fast einen Tag lang im Eingangsraum, ohne abtransportiert zu werden.
Fünf Tage und Nächte mußten meine Frau und ich in sitzender Stellung ununterbrochen in diesem Raum zubringen, der nur mangelhaft mit Kerzen beleuchtet und ohne Trinkwasser war. Erst am vorletzten Tag konnte von hilfsbereiten Menschen trotz der Beschießung zunächst warmer Kaffee, später auch eine warme Suppe herbeigeschafft werden.
Quelle : am Ende das Chaos