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Die Einnahme von Bernkastel im März 1945 |
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| Zerstörtes Hotel Binz und Kaufhaus Wagner |
18. März 1945,ein Sonntag! Am Mittelmoselabschnitt war die Front in Bewegung gekommen. An zahlreichen Stellen setzten die Amerikaner über, der deutsche Widerstand war stellenweise gering, anderswo überhaupt nicht vorhanden. Eine Pontonbrücke bei Mülheim war bereits am 19. März fertiggestellt. Um 15.30 Uhr konnten die ersten Fahrzeuge zur Hunsrückseite rollen.
Für den deutschen Rückzug war die Straße von Bernkastel auf die Hunsrückhöhen ebenso wichtig gewesen wie die Strecke Traben-Trarbach - Irmenach. So war Bernkastel eins der ersten Ziele, das die Amerikaner am 18. März noch erreichen wollten. Von Wehlen aus stießen Soldaten eines amerikanischen Pionier - Bataillons gegen die Doktorstadt vor, von Mülheim rückten Infanterieeinheiten des 304. Regiments heran. Der Vormarsch ging nur langsam voran, da man immer wieder Pioniereinheiten anforderte, um etwaige Minenfelder mit Detektoren zu orten.
Wie die Einwohner von Bernkastel diese Stunden erlebten, berichtet Hanny Fritz
,,Ein Aufatmen ging durch die Bevölkerung, als am Sonntag, 18. März, gegen 6 Uhr abends die Meldung kam, daß am Kirchturm die weiße Flagge gehißt worden sei, daß kurz darauf eine solche am Landratsamt erschien, das Zeichen der Kapitulation der Stadt und die Stunde der Erlösung aus unserem Verlies.
Noch in der Nacht vom 16. zum 17. März hatten die Reste der deutschen Truppen unsere Stadt fluchtartig verlassen, nicht ohne der Bevölkerung eine große Enttäuschung bereitet zu haben, die darin bestand, daß deutsche Soldaten sich so benahmen, als ob sie sich in Feindesland befänden. Ich muß es mir als Deutscher versagen, mich näher über diesen mehr als ruchlosen Abschied einzulassen. Aus der angeblichen Verteidigung der Stadt aber war eine nie wieder gutzumachende Verstümmelung und weitere Zerstörung meiner geliebten Vaterstadt geworden.
In der darauffolgenden Nacht zum 19. März rückten die amerikanischen Truppen trotz der sinnlosen Sprengung der Brücke in unsere Stadt ein, was sich zunächst so auswirkte, daß eine Anzahl noch unversehrt gebliebener Häuser beschlagnahmt und für die Belegung mit amerikanischem Militär geräumt werden mußte. Weitere Verordnungen wie Ablieferung von Photoapparaten und Ausgehverbot folgten.
Quelle : am Ende das Chaos