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Die Eifelbande und Ihre Mitglieder |
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| Der Schinderhannes, zeitgenössige Darstellung |
In einem erst kürzlich erschienenen und in de DDR verlegten Buch: "Actenmäßige Geschiche der Räuberbanden an den beyden Ufern des Rheins, enthaltend die Geschichte der Mosel bande und der Bande des Schinderhannes verfaßt von B. Becker, Sicherheitsbeamter des Bezirks Simmern. Cöln, bey Keil, Xll. J (1804)" beschreibt der Sicherheitsbeamte Becker als unmittelbar beteiligter Zeitgenosse ausführlich die Moselbande, die aber anderer seits in vielen Veröffentlichungen als Eifelbande erscheint.
Auch Dr. Rich. Wirtz aus Trier schreibt in seinem Buch "Das Moselland" ausführlich über eine Moselbande, ohne eine Eifelbande zu erwähnen. Da er als unser Klassenlehrer nicht gerade selten voll Stolz auf seinem Moselbuch zu sprechen kam, hatte man als Schüler das Gefühl, daß er bei Erwähnung der Moselbande nichts Ehrenrühriges fand und dies vor allem in Hinblick auf die damalige unbeliebte französische Besatzungsmacht nach dem 1. Weltkrieg, gegen die die Banden ja auch damals vor 180 Jahren einen "vaterländischen" Kampf führten.
So darf man nicht verwundert sein, wenn er die Eifelbande erst gar nicht erwähnt, sondern sie sogar zur Moselbande macht. Mit der Bezeichnung Eifel-Moselbande käme man der Sache wohl am nächsten. Die schlimmsten Verbrechen, von denen man bei Wirtz und Becker als von der Moselbande ausgeführt liest, geschahen in der Eifel und wurden meist von Eifeler Räubern verübt, wobei natürlich oft auch Moselaner nicht fehlten.
Man darf also mit Recht mit "Wilh. Hay" von einer Eifelbande sprechen.
Von den Verbrechen, die in der Eifel geschehen sind und von denen man in Eifeler Schul und
Pfarrchroniken lesen kann, sei hier das Schlimmste erwähnt, das keine Verharmlosung
aufkommen lassen kann:
der Mord auf der Sprinker Mühle (im Alfbachtal, zum Kloster Springiersbach gehörend).
Becker gibt in seiner "Geschichte der Räuberbanden" einen genauen
polizeilichen Bericht:
Noch einige andere Morde der Bande sind uns aktenkundig überliefert. So hat man den Pastor von Kaifenheim bei Kaisersesch ermordet im Bett aufgefunden. Das Haus war ganz ausgeplündert.
Dabei spielen die ungezählten Überfälle, Diebstähle und Brandschatzungen nur eine zweite Rolle. Becker schreibt: "Schinderhannes selbst ist ein menschlicher Räuber gegen manchen Einzelnen von dieser Horde. (Eifel-Moselbande), die den Meucheldolch und den Feuerbrand schwang. Brennende Häuser, ermordete Wanderer, eine ganze erwürgte Familie sind die blutigen Dekorationen in diesem gräßlichen Schauspiele."Wenn die Eifelbande auch keinen "Führer" hatte wie die Hunsrückbande in Schinderhannes, so war doch ein Mann im Hintergrund, der alle Fäden der Verbrechen spann, bei dem sich die Räuber trafen, der sich selbst als ehrsamer Grobschmied im Hintergrund hielt und so keinen Verdacht aufkommen ließ, daß er der Haupträdelsführer war:
Die Mitglieder der Eifelbande
Hans Bast Nikolay
Er entwickeite sich als Rädelsführer zum grausamsten aller Bandenmitglieder. Er
war auch bei den Mördern auf der Sprinker Mühle. Am 15. Thermidor IX. J. Morgens um 1
Uhr sprach das Tribunal das Todesurteil über Nikolai aus. Sein Geburtsort: Krinkhof in
der Eifel, unweit Bad Bertrich.
Peter Zughetto
Er war als treuer Freund des Schinderhannes von der Hunsrückbande an die Mosel
übergewechselt und wurde dort von dem Osanner Bürger Schander erschossen. Sein
Geburtsort: Urzig an der Mosel.
Richard Bruttig
Ein getaufter Jude, engster Freund von Nikolai, Metzger zu Bertrich. Ein
äußerst grausamer Mensch, "der grausamste der ganzen Bande". Der Metzger
pflegte öfters zu prahlen: "Es ist mir gleichviel, ob ich einen Menschenkopf oder
einen Kalbskopf abschneide". Das waren nicht nur Worte, er setzte sie auch in die Tat
um.
Tuchhannes (Johann Schiffmann)
von Reil, Canton Wittlich. Ein kleiner, blaßgelber, rothaariger, jähzorniger
und rachgieriger Müller.
Niklas Dahm von Ellenz bei Cochem.
Ein wilder, unbändiger junger Mensch, fähig zu jedem Verbrechen, wenn es nur
seine Leidenschaft befriedigte. Als Bettler war er aufgewachsen" "lebte von
Diebstählen und Räubereyen und wurde schließlich zum Mordbrenner".
Christian Hoscheid
Ein vierundzwanzigjähriger Müller von Reil, dem Geburtsort des Tuchhannes.
Völlig verwahrlost, ist er es bis zu seinem Tode geblieben. "Er war ein
berüchtigter Pferdedieb; Mordbrenner ward er, weil ihn das Schicksal haßte.
Lorenz Günther
Vertrauter Freund von Peter Zughetto. Beide waren die ältesten Pferdediebe der
Bande.
Niklas Schwarz, genannt Grundbirn-Klos
Er ward aus Müßiggang ein Bettler, und aus dem Bettler zum Dieb. Nachdem seine
Trägheit ihn einmahl in den Strudel des Verbrechens hinabgezogen hatte, besaß er nicht
Kraft genug, um sich loszureißen. Er war Straßenräuber und Mordbrenner."
Mathes Dahmund sein Weib Margareta
gehörten zu den bedeutendsten Mitgliedern der Bande. Bei der Ausführung von
Verbrechen war er immer unter den ersten.
Johann Esuk
Ein Pole von Geburt. Wie die meisten Verbrecher suchte er als wandernder Krämer
überall Zutritt zu erhalten. "Er war ein roher, ungeschlachter Geselle, dem
Straßenraub und unstäter, flüchtiger Lebensart ergeben.
Heinrich Simonis
Ein junger Schuster aus Kinderbeuren, ward durch böses Beyspiel und öftern
Verkehr mit den Räubern zum Mitschuldigen ihrer Verbrechen. Bis zu dem Augenblick, wo er
in ihrer Gesellschaft auftritt, hatte er sich treu, stille und redlich genährt. Ein Jahr
später hatte er einen Mordbrand auf seinem Gewissen.
Nikolay
der grausamste und gemeinste aller Verbrecher, trat bei den Gerichtsverhandlungen
in Koblenz gegen die oben genannten und alle seine andern Kameraden als Hauptzeuge auf, in
der Meinung, sein Leben dadurch retten zu können. In diesem Glauben ließ man ihn auch.
Aber alle seine "Bekenntnisse" konnten ihn nicht vor der Hinrichtung retten.
Am 31. August 1799 standen 13 der Räuber in Koblenz vor Gericht. Sechs wurden zum Tode verurteilt und am 17. Dezember 1799 auf dem Clemensplatz in Koblenz durch das Fallbeil hingerichtet.Nur einer war immer noch flüchtig, der sogenannte "Tuchhannes". Aber auch er wurde bald darauf "von dem wackeren Wachtmeister der Wittlicher Gendarmerie-Brigade Br. Saal gefangen genommen und aufs Schaffot gebracht.
Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985
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