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Das St. Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues

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St. Nikolaus-Hospital (Cusanus Stift) in Bernkastel Kues

Aus Brixen schreibt der Kardinal Nikolaus von Kues in einem Brief vom 30. März 1457 an die Schöffen von Bernkastel und Kues "...und lassen euch wissen, so wie wir zu Lebzeiten unseres Vaters, des seligen Crifftzhennes von Cusa, vorgehabt haben, zu Ehren des allmächtigen Gottes, unter dem Titel Sankt Nikolaus, des hl. Bischofs, ein Hospital zu errichten.". Die Baukosten betrugen 20.000 Goldgulden; Kues hatte dazu sein eigenes, von den wohlhabenden Eltern ererbtes und als Kirchenfürst erworbenes Vermögen verwendet, und das seiner beiden Geschwister: Johann, Pfarrer von Bernkastel und Clara, Ehefrau des Bürgermeisters von Trier (Cusanus war demnach nicht, wie bisweilen zu lesen, "Sohn eines armen Moselfischers"). Der Stiftungsbrief datiert vom 2. Dezember 1458. Als Altersheim für 33 arme Männer (älter als fünfzig Jahre) aus allen Ständen besteht das Hospital seit 1466 bis heute. Zum Grundbesitz und damit zur wirtschaftllichen Grundlage des Hospitals gehören seit mehr als 500 Jahren auch ca. 8 Hektar Weinberge der besten Riesling-Lagen der Mittelmosel: Wehlener Sonnenuhr, Graacher Himmelreich, Graacher Dompropst, Bernkasteler Badstube, Bernkasteler Graben, Bernkasteler Lay, Bernkasteler Alte Badstube am Doctorberg, Bernkastel-Kueser Kardinalsberg, Bernkastel-Kueser Weissenstein, Lieserer Süßenberg, Brauneberger Juffer und Brauneberger Juffer-Sonnenuhr. Die Ordnung des Hospitals ist nach den Prinzipien der Windesheimer Kongregation ausgerichtet. Nikolaus von Kues blieb der "Devotio moderna", die er in seiner Jugend kennengelernt hatte, zeitlebens verbunden: in Deventer errichtete er 1461 die Studienstiftung "Bursa Cusana" für 20 Jungen von der Mosel.. - Heute ist das St. Nikolaus-Spital Sitz und Mittelpunkt der Cusanus-Gesellschaft . Nach Nikolaus Cusanus ist auch eine Studienstiftung für begabte Studenten und Wissenschaftler benannt: das Cusanus-Werk.

Gebäude

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Erdgeschoß Grundriß
A = Kapelle
B = Kreuzgang mit Bewohnerzimmer
C = Kreuzganginnenhof
D = Kleiner Innenhof
E = Refektorium
F = Nikolaus Portal
G = Konventsaal
H = gotischer Saal

Der im rechteckigen Grundriß angelegte Komplex aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden entstand zwischen 1451 und 1458. Um einen Kreuzgang sind in zwei Etagen die Zellen angeordnet (die Bewohner hatten von Beginn an Einzelzimmer!), im Erdgeschoß liegt das Refektorium, daneben der sog. "Gotische Saal" (die ehemalige Küche, heute Konferenz- und Ausstellungsraum). An die nahezu quadratische Kapelle, deren zwölfrippiges Gewölbe von einer achteckige Säule getragen wird, schließt ein Altarraum von drei Jochen an. Acht ist die Zahl der Unendlichkeit, die zwölf steht für die 12 Apostel. Auf dem spätgotischen Flügelaltar aus der Kölner Schule ist auf dem Mittelbild mit der Kreuzigung am Fuß des Kreuzes Nikolaus Kues als Stifter dargestellt. Das Herz des in Todi Gestorbenen ist vor dem Hochaltar begesetzt, unter einer in den Boden eingelassenen Messingplatte von 1488 (begraben ist Nikolaus in seiner Titularkirche "St. Peter in Ketten" in Rom).

Bibliothek

Über der Sakristei, neben dem Altarraum der Kapelle, befindet sich im Obergeschoß der Bibliotheksraum, dessenr Mittelsäule und Sterngewölbe die Architektur der Kapelle aufnimmt. Ein Fenster geht auf den Altarraum. Kern der heute etwa 3000 Titel umfassenden Bibliothek ist die private Sammlung des Stifters, etwa 270 Handschriften aus dem 9. bis 15. Jahrhundert.

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Innenraum Bibliotek

Cusanus hat sie auf seinen Reisen erworben, abschreiben lassen oder als Geschenke erhalten: neben seinen eigenen Werken (z.B. "De docta ignorantia", "De coniecturis", "De pace fidei") sind es solche aus der Theologie, Jurisprudenz, Philosophie, den Naturwissenschaften und der Mathematik. Die Bücher sind in Handschriften, Inkunabeln und Drucke nach 1501 gegliedert. Von den 84 Inkunabeln kann nur das Catholicon von 1460 noch von Cusanus selbst erworben worden sein. Der Bestand, der zu zwei Dritteln aus der Zeit vor 1900 stammt, gliedert sich in folgende Fächer:

Die Handschriften und die ca. 160 mittelalterlichen Urkunden wurdencusbuch.jpg (11175 Byte) in den 60er Jahren mikroverfilmt, Kopien befinden sich weltweit in Bibliothen und Forschungseinrichtungen. Seit den baulichen Restaurierungen von 1989 und 1994 bekam die Bibliothek als Zugang von der Hofseite einen verglasten Wendeltreppenturm aus Stahlkonstruktion, der an den ursprünglichen Zugang der schmalen Wendeltreppe von der Sakristei aus erinnert. Seit 1993 stehen die Handschriften, Inkunabeln und Postinkunabeln in verglasten Regalen wieder im alten Bibliotheksraum; in Vitrinen sind Prachthandschriften, Urkunden und astronomische Instrumente ausgestellt. Ein zweiter Raum dient als Arbeits- und Benutzerzimmer.

Lit.: Meuthen, E.: N. v. K. 1401-1464. Skizze einer Biographie. 4. Aufl. Münster 1979; - Schulze, Werner: Zahl - Proportion - Analogie. Eine Unters. Zur Metaphysik u. Wissenschaftshaltung des N. v. K. - Münster 1978; - Neue Deutsche Biographie xx; Berberich, Otto [u.a.]: Cusanus und das St. Nikolaus-Hospital Bernkastel-Kues. 2. Aufl., Bernkastel-Kues 1997,  22 S., Abb.; Hamm, W.: Die Bibliothek des St. Nikolaus-Hospitals in Bernkastel-Kues, - In: Handbuch der historischen Buchbestände in der Bundesrepublik Deutschland (...); Marx, Jacob: Verzeichnis der Handschriftensammlung des Hospitals zu Kues. Trier 1905 (enthält auch - lückenhaft - die Inkunabeln und die Postinkunabeln).

(Gesamtquelle Peter Zahn, Juni 1998)

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