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| Balduin Kurfürst von Trier und sein Wirken | |
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| Siegel des Erzbishofes Balduin |
Baldewin, wohl der bedeutendste unter den Trierer Kurfürsten, betrachtet in seiner ganzen, fast ein halbes Jahrhundert überdauernden Regierungszeit (1307 - 1354) danach, die beiderseits der Mosel abwärts Trier zersplitterten kurtrierischen Besitzungen durch Erwerbung, Fehden, Unterwerfungen, Tausch, Belehnung fugenlos miteinander zu verklammern. Noch vor Baldewin - bis 1307 - ist fast das ganze, den rechtsmosellanischen TeiI des heutigen Kreises Bernkastel-Wittlich umfassende Gebiet als Ämter Hunolstein, Bernkastel, Baldenau im Trierer Kurstaat aufgegangen (bis auf die Sponheimsche Exklave Veldenz).
Gegen den sehr eigenwilligen einheimischen Adel, der nicht selten mitten in kurtrierischem Land saß, Iäßt er »Trutz«-Burgen bauen, im Hunsrück-Kreisbereich Bernkastel-Wittlich die Baldenau, einzige wasserumgürtete Feste (1320 vom Erzbischof gegen die Wild- und Rheingrafen errichtet, Sitz des kurtrierischen Amtmanns, 1689 zerstört durch Franzosen). Manderscheids Oberburg und der Ort selbst waren seit Mitte 12. Jh. kurtrierisch. Nur zu gerne hätte Baldewin die nahe dem kurtrierischen Bernkastel gelegene, zum Hunsrück gehörende »Hintere Grafschaft Sponheim« mit Burg Veldenz der einflußreichen Hunsrück-Grafen Sponheim, zur Abrundung seines Kurstaates, in Besitz genommen.
Sie wird von der wirklich wehrhaften Sponheimschen Feste Starkenburg aus verwaltet (ab 1350 ist die Grevenburg über Trarbach Regierungssitz der »Hinteren Grafschaft Sponheim«). Lauretta, der resoluten und schönen, Mutter des Grafen Sponheim gelingt es, den großen Widersacher 1328 auf einer Bootsreise nach Koblenz durch eine über die Mosel gespannte Kette einzufangen, eine Zeitlang auf Starkenburg gefangen zu halten und gegen hohes Lösegeld und Versprechen, Sponheimer Land in Frieden zu lassen, wieder freizugeben. Ihr kühner Handstreich endet mit noch glimpflichem Bußgang: Lauretta, geb. von Salm, hat barhäuptig und -füßig eine schwere Kerze in die Kirche zu tragen und vier ewige Lampen aus reinem Silber zu stiften.
Burg Veldenz, eine der größten Mittelmosel-Anlagen, kam mit ihrem Umländchen köstlicher Weinsorten nach Aussterben der Sponheimer im Mannesstamm an das Haus Pfalz-Zweibrücken. 1701 lassen die Franzosen nach langer Besetzung die einst stolze Feste als Ruine zurück.
Baldewin gelingt viel zur Arrondierung des Trierer Kurstaates, um die vielen Einzelteile zwischen Residenz, Mittelrhein und beiderseits der Mosel miteinander zu verklammern. Doch erst 1355, im Jahr nach seinem Tod, bringt sein Nachfolger zuwege, das wegen seiner herrlichen Kreszenzen wohl schon von den Römern geschätzte »Cröver Reich« (aus lateinisch Croviacum) durch Kauf unter den Krummstab zu bringen. Zum Verwalter bestimmt er das im Moselland beheimatete, hochangesehene, heute noch bestehende Reichsgrafengeschlecht der von Kesselstatt. Dieses im 14. Jh. vom Main eingewanderte Reichsgrafengeschlecht kommt bald zu hohem Rang. 1367 wird Johann von Kesselstatt Kurtrierischer Hofmarschall. Jahrhundertelang überwiegend in Diensten des Kurfürsten als Vögte und Amtmänner auf den zahlreichen Burgen, Besitzungen in verschiedenen Landesteilen, gehört es zu den ersten hierzuland. Nachkommen leben heute auf dem Barockschloß Dodenburg nahe Dreis.
Quelle: Jahrbuch Kreis Bernkastel Wittlich 1977 Vitalis Pantenburg