Stadtteil Andel
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Kirche in Andel

Am rechten Ufer der Mosel gelegen, ist der kleinste Stadtteil namentlich erstmals vor rund 850 Jahren schriftlich bezeugt. Während man davon ausgeht, daß Menschen auf dem Gebiet des heutigen Andel bereits in keltischer und römischer Zeit siedelten, ist von einem angeblichen späteren Vorgänger Andels, der Siedlung ,,Sandthal" aus fränkischer Zeit, sogar in einem vor über hundert Jahren herausgegebenen, erzählenden Text die Rede.

Im Mittelalter gehörte Andel zur Grafschaft Veldenz, so daß der Ort wegen der Nähe zur Burg und Siedlung Bernkastel direkt an eine andere Herrschaft grenzte, seit 1280 an kurtrierisches Gebiet. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Andel mit der ganzen Grafschaft protestantisch. Die Zugehörigkeit zur Grafschaft bewirkte, daß Andel sich im späten 17. und vor allem im 18. Jahrhundert im Machtbereich des Kurfürsten von der Pfalz befand.

In diese Zeit fallen auch die aus der Geschichte Andels nicht mehr wegzudenkenden Goldfunde. In der Bernkasteler Gegend bis weit in den Hunsrück hinein gab es zumindest vom späten 15. bis ins 19. Jahrhundert eine lange Tradition des Bergbaus.

Vereinzelt erinnern Stolleneingänge in unwegsamem Waldgelände heute noch an diese Zeiten. Auf der Andeler Gemarkung kam es damals zu vereinzelten Goldfunden, die aber in mündlichen Berichten offensichtlich immer umfangreicher wurden. Investitionen des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor (1742 - 1799) jedenfalls konnten solche Goldvorkommen nicht bestätigen.

In unserer Zeit erinnert noch ein Weinname - ,,Andeler Goldschatz" - an diese Überlieferung, und der ,,Goldwäscherbrunnen': 1986 von Bernd Wendhut aus Kues errichtet, macht ebenfalls auf die fast sagenhaften Andeler Goldfunde aufmerksam.

Direkt neben diesem Andeler Brunnen steht ein Kirchlein, an der Stelle einer früheren Kapelle 1717 errichtet. Der ältere Turm birgt heute noch zwei wertvolle Glocken. Diese sind inzwischen jeweils über 500 Jahre alt, stammen aus der Zeit der Spätgotik und wurden 1476 beziehungsweise 1488 von Clas (Niklas, Klaus) von Enen gegossen.

Die kleine Simultankirche wurde von Protestanten und von Katholiken benutzt; sie hat aber auch häufig konfessionellen Streit erlebt.Die Katholiken Andels orientierten sich lange Zeit nach Dusemond - Brauneberg hieß so bis 1925 - und später nach Bernkastel. Die Protestanten gehören zur evangelischen Gemeinde Mülheim.

Politisch gehörte Andel nach 1815 zum Amt Mülheim, nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1970 zur Verbandsgemeinde Mülheim.

Die Gemeinde Andel, deren Wappen mit einem Baum in einem Topf auf die Bedeutung der Landwirtschaft, des Obstanbaus vor allem, und dessen weiß-blaues Rautenfeld auf die frühere Zugehörigkeit zur Grafschaft Veldenz aufmerksam macht, erlebte im 20. Jahrhundert ein besonders starkes Wachstum. Hatte der Ort Ende des 18. wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts jeweils weniger als 200 Einwohner, so waren es 1910 bereits 310 und 1952 schon 360; heute wohnen etwa 600 Menschen im Stadtteil Andel.

Eine der Ursachen dieses Aufschwungs war die Moseltalbahn, oft auch ,,Saufbähnchen" genannt.
Von Trier her konnte man Andel bereits vom 29. Dezember 1903 an erreichen, ab 15. März 1904 auch Bernkastel, und vom 19. August 1905 an war die Gesamtstrecke Trier-Bullay befahrbar.
In Andel selbst entstanden durch das dort errichtete Bahnbetriebswerk viele Arbeitsplätze. Das Ende der Moseltalbahn am 31. Dezember 1962 war für Andel sicher ein besonders herber Verlust.

Am 7. November 1970 verlor die Gemeinde Andel ihre politische Selbständigkeit und wurde eingemeindet; seitdem ist Andel Stadtteil von Bernkastel-Kues. Trotz der ungünstigen Verkehrsverhältnisse auf der engen und stark befahrenen Hauptstraße ist Andel in den letzten Jahrzehnten wegen seiner Ruhe in den übrigen Ortsbereichen und wegen seiner Überschaubarkeit von vielen Familien als neue Heimat ausgesucht worden. In einem eigenen Gewerbegebiet haben mehrere mittelständische Unternehmen in den letzten Jahren Standortvorteile erkannt und sich dort angesiedelt.

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Quelle: Bernkastel-Kues in Geschichte und Gegenwart

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