![]() |
| Abt Johannes Trithemius, Umfeld und Studium | |
|
|
|
![]() |
| Mosellandschaft (alter Stich von Bernkastel) |
Wer sich mit der Geistesgeschichte in unserer Heimat beschäftigt und dabei in den Matrikeln der Universitäten nachforscht, ist immer wieder erstaunt über die geistige Fruchtbarkeit des Mosellandes und überhaupt des trierischen Raumes in den Jahrhunderten des Mittelalters. Da finden wir an den Universitäten Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Englands, Spaniens eine stattliche Reihe von Studenten aus den Orten Cochem, Bruttig, Klotten, Zell, Trier, Koblenz, Bernkastel, Wittlich, Prüm, Saarburg, Trittenheim, Neumagen, nicht selten sogar mehrere Studiker gleichzeitig.
Manche von ihnen machten ihren Namen und ihre Heimat berühmt im Vaterland, einigemal wurden es Geistesmänner von abendländischem Ruf. Wie auffallend ist es doch, daß im 15. Jahrhundert zwei Moselaner den Geist des Jahrhunderts bestimmten: Der Kardinal Nikolaus Krebs aus Cues und der Abt Johannes von dem Heidenberg, der sich Trithemius nannte, weil er aus Trittenheim stammte.
Flucht ins Studium
Als Cusanus 1464 starb, stand Trithemius im dritten Lebensjahr, in Trittenheim, ein paar Stunden flußabwärts von Trier, ist er am 1. Februar 1462 geboren. Wie damals alle Leute von Trittenheim, waren seine Eltern - Zeller hießen sie - kleine Winzer, dazu noch zugezogene Leute; der Vater kam vom Hunsrückdörfchen Heidenburg, die Mutter, Elisabeth, aus dem Moseldorf Longuich. Schon im ersten Lebensjahr verlor der Junge den Vater. Er bekam später einen Stiefvater, der zu dem aufgeweckten Knaben nicht gut war. Heimlich erlernte er bei einem Freunde, wohl einem Mönch des benachbarten Prümer Klosterhofs Zell, die Anfangsgründe der lateinischen und griechischen Sprache.
Eines Tages wurde der Ortspfarrer auf den lernbegierigen Jungen aufmerksam; er wies den Stiefvater auf seine Pflicht hin, jedoch vergebens, auch die Fürsprache des Oheims Peter von Heidenburg fruchtete nichts. Da flüchtete Johannes, wie die Volksüberlieferung es auch von Nikolaus Krebs aus Cues erzählt. Drei Tage irrte er umher, dann finden wir ihn studierend in Trier, Köln und vor allem in Heidelberg, an der jungblühenden Universität, dem Hort des Humanismus. Diese armen Studenten wohnten in Bursen und ernährten sich bettelnd und singend vor den Haustüren.
In Heidelberg sind Johannes von Dalberg, der spätere Bischof von Worms, und Johannes Reuchlin, der gefeierte Humanist seine Lehrer. Als der Winzerssohn aus Trittenheim die Universität Heidelberg verließ, schrieben ihm seine Lehrer aufs Zeugnis, daß sie "nie eine leichtere und schnellere Fassungskraft und ein lebhafteres Gedächtnis bei irgendeinem Menschen" vorgefunden hätten.
Quellen: Jahrbuch der Kreise Bernkastel Wittlich 1977,Peter Kremer