franz2.gif (13907 Byte)


  Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Pest
pest.jpg (13234 Byte)
Darstellung von Pestkranken im Mittelalter

Die längste, aber auch verheerendste Phase eines Hundertjährigen Krieges, der vor 1600 begann, war auch für das Moselland der Dreißigjährige Krieg. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 kam Deutschland nicht zur Ruhe. Im Winter 1587/88 zogen 4500 spanische, französische und italienische Landsknechte der Mosel entlang nach Bonn, um den Kölner Erzbischof gegen seinen Vorgänger zu unterstützen, welcher zum Protestantismus übergetreten war.

1610 suchten pfalzgräfliche Truppen das Cochemer Gebiet heim.
In den Jahren 1608 und 1609 führten die Spannungen unter den deutschen Religionsparteien zur Bildung der protestantischen Union und der katholischen Liga. Nach Ausbruch des Krieges in Böhmen (1618) traten die geistlichen Fürsten des Rheinlandes (Köln, Trier und Mainz) der Liga bei. Im Norden des Rheinlandes kämpften die Spanier bereits gegen die Holländer, während es an der Mosel erst um 1631 zu Kampfhandlungen kam, als nämlich Schweden und Hessen ins Rheinland einrückten, um, die dortigen Fürsten aus ihrer Neutralität herauszudrängen" und gleichzeitig die Spanier zu vertreiben, die lange Jahre hier die Macht hatten.

Linz, Remagen, Andernach und andere Orte wurden ausgeplündert. An der Mosel hielten die Spanier Trarbach, Zell und Beilstein besetzt. Als die Schweden anrückten, verließen die Spanier Trarbach, kehrten aber bald wieder zurück; denn starke Kräfte von Lieser her hatten in die Kämpfe eingegriffen. Unter Führung der Rheingrafen gelang es den Schweden, die Spanier im Sommer 1632 entscheidend zu schlagen und sich in der Grafschaft Sponheim festzusetzen.

Infolge dieser Kämpfe waren besonders die Bauern des Hunsrücks der rücksichtslosen Soldateska ausgesetzt, die alles zerstörte und das Letzte nahm. Gegen den Willen des Trierer Domkapitels hatte Erzbischof Philipp Christoph von Sötern (1623-1652) mit Ludwig XIII. von Frankreich vereinbart, das Erzstift Trier werde neutral bleiben und unter dem Schutze Frankreichs stehen.

1636 diente das Schloß Bernkastel einige Zeit als Hauptquartier der katholischen Liga. Im gleichen Jahr litt Trier schwer unter Hungersnot und Pest. Franzosen, Kaiserliche, Spanier, Schweden und zahlreiche Räuberbanden wechselten sich in der Verheerung der Rheinlande ab.

Es entstanden leere Dörfer, deren Bewohner sich vor den zuchtlosen Plünderern in Wälder und Schluchten geflüchtet hatten. Die Ortschaften des engen und teils unwegsamen Moseltals hatten weniger unter Kampfhandlungen zu leiden, aber der schwarze Tod hielt hier 1624 und besonders 1635/36 grausame Ernte. Auch in Bernkastel machte die Pest nicht Halt.

Am 4. September 1631 stiftete Anna Almacher, Witwe des Sendschöffen, Stadt und Gerichtsschreibers Johann Meyer, den Sebastiansaltar in der Kneipffschen Kapelle. Das Flachrelief des Altares nimmt Bezug auf die Pest, die in den Jahren 1627-28 Bernkastel heimgesucht hat. Es stellt oben den hl. Geist, Gottvater mit den Pestpfeilen, und zu seinen Füßen links Christus mit St. Sebastian, rechts Maria als Fürbitter dar. Darunter ist der Marktplatz mit Rathaus, Brunnen, Waage und Giebelhäusern zu erkennen. Davor beten neun kniende und stehende Personen. Ein Blick am Brunnen vorbei in die Karlstraße zeigt vier Männer, die aus der Carlsgasse zwei Särge tragen, vermutlich die letzten Pesttoten aus dieser Straße.

Das Sterbebuch der Pfarrei Bernkastel enthält anno 1776 hierzu folgenden Eintrag":

,,Notandtlm quod 2 4. Aug. prioris anni in hospitale ad S. Spiritum, cum nova cella strtrirattlr, reperta sunt rntrlta ossa deftlnctorum, quae ibi anno 1630 vel 1567 cum pestis grassevetur et cemeterium parochialis Ecclesiae non sufficeret, ibidem septllta ft~isse prestlmitur, qttae hac in unum ttrmtllum congesta ecclesiae sunt recondita. "

d. h. Als am 14. August des vorigen Jahres (1775) im H1.-Geist-Hospital eine neue Zelle erbaut wurde, fand man viele Gebeine von Verstorbenen, die im Jahre 1630 oder 1567 von der Pest dahingerafft wurden. Weil der Pfarrfriedhof nicht alle Toten fassen konnte, wurden sie in einem Hügel dort beigesetzt.

Quelle: Bernkastel im Wandel der Zeit, Franz Schmitt

homeneu.jpg (2271 Byte) inneu.gif (1212 Byte)

Nachrichten an Franz - Peter Kropp